An Spiorad, 4. Sean Nós, 29.11.2019, Auferstehungskirche, Dortmund-Scharnhorst

Irische Geschichten und Songs

Ok, ich bin schon seit einiger Zeit nicht mehr in Dortmund, aber auch als ich noch dort gewohnt habe, war ich tatsächlich zumindest bewusst noch nie in Dortmund-Scharnhorst. Jetzt auf jeden Fall gab es einen sehr guten Anlass, sich mindestens mal die Auferstehungskirche (evangelisch) in Alt-Scharnhorst anzuschauen - und vorher noch den in der Nähe befindlichen Griechen. Wirklich lecker Currywurst-Pommes ;-).

Der Anlass waren An Spiorad, Band aus Dortmund (zumindest sind diejenigen, die mir etwas näher bekannt sind, aus Dortmund :-)), die nun schon zum vierten Mal mit Geschichten und Songs das geneigte Publikum beglücken wollten. Marc Höper (Gesang, Gitarre), Oliver Peters (Gesang, Gitarre, Bass und andere Instrumente), Pascal Junker (Gesang, Gitarre und allerlei weitere Saiteninstrumente), Jens Okrent (Drums), Henning Nugel (Geige, Flöten) und Toni Maurer (Technik, Sound) hatten sich dieses Mal vorgenommen, etwas vom Auswandern, von Heimweh und Rückkehr zu erzählen. So zumindest die Einleitung, die Marc um kurz nach halb 8 dem Publikum gegeben hat. Netterweise hat er den Neulingen auch nochmal erzählt, dass sie die Songnamen in die Geschichten einbauen werden, vielleicht ein bisschen DEUTLICHER betont, so dass man sich herleiten kann, wie denn die auf die Geschichten folgenden Songs heißen. Fand ich eine tolle Idee, an sich hat mir die Sache mit der Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch den Abend zieht und die dazu passenden Lieder, traditionals und eigene und Cover, sehr sehr gut gefallen. Ich hoffe nur, dass ich richtig aufgepasst habe und die Namen der Lieder auch richtig aufgeschrieben hab. Wir waren tatsächlich das erste Mal dabei, meist lag der Termin so, dass es irgendwie nicht passte, aber für nächstes Jahr ist der Termin (27.11.) auf jeden Fall schon vorgemerkt! Die Kirche war im übrigen gut gefüllt, viel mehr hätten definitiv nicht reingepasst.

Start mit einem sehr großartiges a-capella-Stück (Roll the old chariot), bei dem Marc, Oliver, Pascal, Jens und Henning erstmal kurz einen Eindruck gaben auf das, was wir zu erwarten hatten: beeindruckende Stimmen! Wow. Super Start. Weiter dann mit Marc, der uns berichtete über die Hungersnot, die 1847 in Irland herrschte und die viele Iren zwang auszuwandern, nach Australien, nach Neuseeland, oder wie im Falle unserer wackeren Iren, nach Amerika. Als Matrosen auf einem Frachter. Die nächsten Songs waren from Clare to here (Ralph McTell?), rambling Irishman (auch ein Cover, kannte ich glaub ich von der Oysterband) und Van Diemen's Land, bei dem erstmals Marc das Singen Oliver überlies und bei dem Henning zur Querflöte griff und die Geige in die Ecke stellte. Beim ersten Lied mit Instrumentalbegleitung hatte ich ein bisschen Angst: die Drums waren sehr laut, insbesondere die Becken und der Rest, insbesondere die Stimme von Marc und die Bouzouki von Pascal waren fast gar nicht zu hören. Wurde im Lauf des zweiten Songs besser, aber in Summe waren die Drums bei vielen Songs leider zu laut. Zu gute Akustik ;-). So, erzählte Marc, die Überfahrt war geschafft und man war in Chicago im Jahre 1849 angelangt und musste nun zusehen, wie man Arbeit fand um Geld zu verdienen. Songs: City of Chicago (Christy Moore?), Carrickfergus (hier brauchte ich beim Titel Nachhilfe, hatte nicht ordentlich aufgepasst, ging aber darum, dass jemand sich wünschte, er wäre zuhaus), Motherland (Nathalie Merchant/Christy Moore?), gesungen von Pascal. Danach Wechsel der Band zur Theke in "Jimmy's Pub", die vorn vor der Bühne aufgebaut war. Pascal erzählte hier seinen Kumpels, die er zufällig wiedergetroffen hatte, von seinem ersten Job als Aushilfe in Jimmy's Pub und wie es von dort aus weiter ging... dachte er.. bis er in Jimmy's Pub wieder aufwachte. Scheint nicht weit gekommen zu sein ;-). Nette Idee, zwischendrin den Ort zu wechseln, den Erzähler und auch den Stil, hier eher wie ein Abenteuerbericht gehalten. Songs: Irish Ways (Drums hier wieder etwas dominant), Carry me home (An Spiorad, Marc - kam mir irgendwie bekannt vor oder hat mich an etwas anderes erinnert, ich komm aber nicht drauf). Weiter ging's mit der Geschichte, dieses Mal war es schon 1855 und die Nachrichten aus der Heimat wurden besser, so dass sich unsere Jungs entschieden, wieder zurück zu kehren in ihre irische Heimat. Only our rivers run free, großartig, machte den Start der drei Songs (ich hoffe auf Christy Moore als ursprünglichem Künstler und nicht auf die Kelly Family :-)), weiter mit einer Gastsängerin, die das sehr, sehr großartig gemacht hat, mit einer wunderschönen Stimme - grade als Kontrastprogramm zu den doch eher tiefen Männerstimmen eine ausgesprochen gute Idee. Leider wurde sie nicht vorgestellt, so dass ich zwar einen Verdacht habe, dass sie evtl. mit dem Sänger Marc verwandt sein könnte, kann dies aber nicht belegen (wurde zwischenzeitlich bestätigt: Fiona Höper gab sich die Ehre, wirklich toll). Der Song war gälisch: fhir a bhata (the boatsman), wow, wunderschön.. Danach blue to green (ein original An Spiorad von Pascal, der es auch gesungen hat), leider wieder etwas überlagert von den Drums.

Wieder Wechsel ins Pub und Geständnisse eines weiteren der Kumpels, diesmal erzählte Oliver, wie es denn ihm ergangen war. Er hatte sich auf der Überfahrt um ein verletztes Mädchen gekümmert, sich nach der Ankunft weiter um sie gekümmert, bis sie irgendwann einfach verschwunden war (nicht ohne freundlicherweise einen großen Edelstein da zu lassen) - und stellt Euch vor, es schien eine Meerjungfrau gewesen zu sein, denn sie schwamm auf der Rückfahrt tatsächlich neben dem Schiff und schaute ihn mit ihren großen Augen an. Vielleicht doch ein bisschen zu viel Whisky in the Jar? ;-) Nein, das wurde nicht gecovert, wobei es vielleicht auch gar nicht sooo schlecht gepasst hätte ;-). Stattdessen gab es In loving memory (An Spiorad, Oliver) und dann eines, das glaub ich Shamrock (genauer: a mindful shamrock, auch ein An Spiorad Original, Oliver) hieß und die britischen Länder aufgezählt hat, auf die man sich während der Überfahrt freuen kann. Ein eher schnelles, lautes Lied, mit viel Getrommel, dieses Mal aber nicht ganz so sehr zu laut. Es ist jetzt 1855 und sie sind zurück und feiern dies mit back on the emerald isle (An Spiorad, Marc), ein langsames, sehr schönes Stück, dann wieder ein Stück von "dem Mädchen vom Schiff" welcome poor Paddy home (was man ihnen bei der Ankunft zurief - von Dervish?) und dann kam ein "Sauflied" mit einer Auflistung diverser alkoholischer Getränke (The pub crawl - auch ein An Spiorad original, diesmal von Marc), mit dem sie erstmal ihre Rückkehr begossen und die Reise zu ihrem Ende kam. Zum Schluss dann noch das parting glass, sehr großartig, wieder alle a-capella und als weitere Zugabe nochmal ein Song mit dem "Mädchen vom Schiff": An angel. Es war schön, es kam mir aber bekannt vor und wenn ich mich nicht fürchterlich irre, war das tatsächlich von der Kelly Family was mich in gleich zweierlei Hinsicht sehr entsetzt hat: warum sucht man das aus und warum zum Kuckuck find ich das in dieser Fassung dann auch noch gut?!? :-) War wirklich schön.

21:40 h.

Als allerletztes dann das, was scheinbar immer passiert: Marc singt auf gälisch alleine ohne irgendwas den irish national anthem. Schön. Und dann ging's rüber in den Gemeindesaal, wo es nochmal ein bisschen was zu Essen und irisches Bier gab. Ein netter Abschluss.

Sehr zu empfehlen, kommen - der Termin für nächstes Jahr steht schon! :-)

Hier noch ein paar Fotos mit freundlicher Genehmigung der Künstler(innen).

(c) bat 12/2019

Update mit Setlist - Dank an Henning ;-)