Und die Homepage von Joolz findet ihr hier

zurück zur New Model Army Seite zurück zur Bücherseite Home


Joolz

Bochum, 19.06.1996

Am 19.06. um 18:30 h begaben wir uns also in die Bochumer Uni, um Joolz' Geschichten zu lauschen. Zuerst jedoch wurde von den Anglisten, die auch den Besuch von Joolz organisiert hatten, noch ein Hörspiel von Samuel Beckett präsentiert (ich glaube, es hieß 'Geträumt-Ausgeträumt') Angeblich waren die Plakate schon gedruckt und aufgehängt, als ihnen die Idee dazu kam... Wenn ich mir allerdings die Gesichter um mich herum in Erinnerung rufe, habe ich eher den Eindruck, daß sie es bewußt verschwiegen haben, um zu vermeiden, daß alle erst eine halbe Stunde später - nämlich zu Joolz' Auftritt - dort eintrudeln... ;-) Uns wurde jedoch die Möglichkeit gegeben, vorher den Raum zu verlassen und später wiederzukommen.... aber wer will schon den heiß umkämpften Platz wieder hergeben??? ;-) Um 19:00 h kam sie dann endlich. Sie las Geschichten vor - meist traurige, so daß ich mich schon fragte, ob sie vielleicht in ihrem Leben nur Trauriges erlebt hat - und erzählte Anekdoten, die einfach zum Kringeln waren, so daß meine Zweifel dann doch wieder verschwanden. So erzählte sie zum Beispiel, daß sie an der französisch-belgischen Grenze angehalten worden seien, was wohl immer noch sehr häufig vorkommt. Dazu muß man sagen, daß ihr Fahrer lange Haare hat, sie selbst an Armen und Beinen tätowiert und unter der Lippe gepierced ist... das Ganze schien dem Grenzbeamten jedenfalls irgendwie suspekt zu sein! Es war ein sehr warmer Tag, der Grenzbeamte war korrekt in Uniform und Stiefel gekleidet und hatte wohl ein sehr rotes Gesicht... verbissen bemühte er sich, irgendetwas zu finden, womit er die beiden 'dingfest' machen konnte.... aber zu seinem Leidwesen fand er nichts... Weiteres Problem an der ganzen Geschichte war, daß der gute Mann kein Englisch, Joolz und ihr Begleiter kein Französisch sprechen... Irgendwann entdeckte er eine zugeklebte Pappkiste.... was ihn aufs äußerste erregte. Er riß die Kartons auf und fand: Bücher mit dem Titel 'Emotional Terrorism' vom Verlag 'Bloodaxe Books' !!! Joolz:: 'He didn't understand English, but believe me, 'terrorism' is an international word!!' Er wühlte also wie wild in diesem Buch herum, wohl in dem Glauben, es handele sich um eine Anleitung zum Basteln von Bomben oder ähnlichem, während Joolz versuchte, ihm zu erklären, daß es sich um 'Poetry' handele... was nicht so einfach ist, wenn man jemandem die Geschichte der Dichtkunst seit den 40er Jahren erklären will, der wahrscheinlich in seiner Schulzeit das letzte Mal mit Gedichten in Berührung gekommen ist, noch dazu mit welchen, bei denen am Rand Anmerkungen über das Versmaß zu finden waren...und das alles natürlich nur mit Händen und Füßen... ;-) Irgendwann fand sich dann jemand, der ein wenig englisch konnte und der zum Bedauern unseres Grenzbeamten dann bestätigen konnte, daß es sich um 'Poetry' handelt... auch wenn er sie nicht für gut hielt ;-)) Joolz hatte wohl Mitleid, daß er sie ziehen lassen mußte, zumindest winkte sie ihm noch freundlich zu...

Dies ist die Art der Geschichten, wie sie zwischendurch als Überleitungen zu den geschriebenen Geschichten, der Poetry, von ihr erzählt wurden. Sie hat eine wahnsinnige Ausstrahlung, geniale Mimik und Gestik, ich zumindest war völlig gefesselt und den übrigen erging es nicht anders. Der zweite Teil der Veranstaltung bestand darin, daß Joolz Fragen beantworten wollte, die sich nicht nur auf ihre Geschichten, sondern auch auf allgemeine Themen beziehen konnten. Da sie und die Organisatorin wohl damit gerechnet haben, daá es nicht jedem liegt, vor versammelter Mannschaft Fragen zu stellen, lagen Zettel bereit, auf die die Fragen aufgeschrieben werden konnten. Leider waren es nur drei... Eine bezog sich auf ihren Werdegang als 'poet', die eine äußerst witzige Geschichte über ihre ersten Auftritte mit New Model Army zur Folge hatte. Hier erzählte sie auch, daß Kunst ihrer Meinung nach wie ein Schmetterling sei, den man aus der Ferne beim Flug über die Wiese betrachtet und der, sobald man ihm die Flügel abschneiden würde, aufhören würde, schön und einzigartig zu sein: 'he can't fly anymore'... auch die Kunst könne man nicht auseinandernehmen und in den einzelnen Bestandteilen ihre Einzigartigkeit und Schönheit suchen...

Eine zweite bezog sich darauf, ob sie es bereuen würde, keine Kinder zu haben, worauf sie erwiderte, sie sei jetzt 41, hätte also noch ein Jahr Zeit und wenn sie es sich spontan noch überlegen würde, könnte es passieren, daß wir in einem Jahr hier sitzen würden und alle der Reihe nach 5 Minuten auf ihr Kind aufpassen müßten ;-)) Eine dritte bezog sich auf die Pagan-Bewegung, die wohl sehr viele Unterströmungen aufweist. Sie konnte nur von derjenigen berichten, an die sie selbst glaubt, allerdings ohne bekehrend wirken zu wollen. Das sei nicht das Ziel sagte sie, sie wären ja schließlich keine Christen, die Leute zu ihrem Glauben zwingen wollten. Sie empfahl ein Buch namens Gaia von James Lovelock, das, auch wenn man nach dem Lesen des Buches nicht von seiner Richtigkeit überzeugt sei, dennoch ein gutes Buch sei: 'Wenn Ihr Christen seid, dann könnt ihr es auch weiter bleiben. Viel Glück. Ihr werdet es brauchen.' Gegen Ende, etwa um 21:00 h, hatte sie fast etwas Magisches an sich: alle Leute lauschten ihr gebannt und als sie aufhörte, war es fast so, als erwache man aus einem Traum. Sinngemäß sagte sie: "Wenn Ihr diesen Raum verlaßt, dann ist Euer Leben nicht mehr das gleiche, weil Ihr etwas von diesen Abend mitnehmt, ein ganz kleines Stückchen. Ihr habt etwas geteilt, etwas Einmaliges, das so nicht zurückkommen wird. Ihr könnt sagen, daß es dumm war. Ihr könnt sagen, ja, nette Poesie und mehr nicht. Oder ihr koennt sagen, yeah that's it. Aber egal was Ihr sagt, Ihr werdet diesen Abend nie vergessen, er wird immer ein Teil von euch bleiben... und das wird sich multiplizieren, auf der ganzen Welt - bis es völlig egal ist, welcher Nationalität jemand angehört, weil alle dasselbe erlebt haben.".. Alles in allem: sehr empfehlenswert!!! Wenn sie wiederkommt, bin ich wieder dabei, egal ob sie mit oder ohne Kind auftaucht ;-)))

Danke auch an Markus Lutter für einige mir entfallene Einzelheiten.

(c) AT 1996

zurück zum Seitenanfang

Joolz

Bochum und Gelsenkirchen, 19. und 22.06.1997

Joolz war mal wieder auf Tour in Germany. Unter anderem auch an der Uni in Bochum. Dorthin begab ich mich also am 19.06. gegen 19:00 h. Die Performance war wieder aufgeteilt in einen Teil, in dem sie ihre Geschichten vorlas - mit entsprechenden Erzählungen als Überleitungen, versteht sich ;-) und in einen Teil, in dem sie die Fragen, die das Publikum ihr stellen kann (auf Zetteln, die deutschen Studies sind feige ;-) ) und gestellt hat, beantwortet. Das erste also, das sie erzählte war - leider nicht wortgetreu aber in etwa: "England's got a new government!! It's really exciting! People are talking to each other in the streets! In England!! Where normally nobody speaks to each other." Sie erklärte auch, daß dies keine Abstimmung für Labour gewesen sei, sondern eine gegen die Conservatives. Tony Blair sei das Resultat, mit dem sie sich jetzt auseinandersetzen müßten... nicht wirklich Mensch, sondern eher ein Monster... ein 'big smile with ears' ;-) Die Regierung würde nun 'popular laws' verabschieden, wie z. B. das Verbot von Handfeuerwaffen, was die Conservative-Regierung niemals getan hat aufgrund der gar winzigen Chance, daß evtl. vielleicht das Olympiateam im Schießen eine Medaille gewinnen könnte... Sie erzählte dann noch etwas über England und Waffen an sich und ihre Erlebnisse mit Waffen sowohl in ihrer Kindheit als auch in ihrer Ehe mit einem Gangmitglied der 'Satan Slaves', einer Art englischem Ableger der Hell's Angels. Hier kam dann die erste Geschichte:

Gun

Ich glaube nicht, daß ich die Reihenfolge ganz richtig hinbekommen werde. Es kann also durchaus sein, daß die Radiogeschichte (Age) vor der Neuseeland-Geschichte kam... vielleicht kann da jemand, der ebenfalls dort war, weiterhelfen? Das nächste, was sie erzählte, handelte von ihrem Besuch in Neuseeland. In dieses Land sind wohl in den 70er und 80er Jahren eine Menge Briten ausgewandert. Es ist neues Land, nicht alt wie Europa. Es ist grün, dünn besiedelt und alles ist eben nur fast wie in England. Es wird immer nur von denjenigen berichtet, die dort seßhaft geworden sind und sich ein- gewöhnt haben. Es gibt jedoch auch die anderen, diejenigen, die zurückgekommen sind, weil sie den Kulturschock nicht überwinden konnten... hat mich denken lassen an die 'Valleys of Green and Grey'.. 1990, hat Justin Sullivan auf dem WDR-Rocknacht-Konzert mal sowas gesagt wie: 'Dieses Lied ist für diejenigen, die zurückgeblieben sind'(er bezog das damals auf die Leute, die aus dem Osten in den Westen gezogen sind und widmete dieses Lied wohl denjenigen, die geblieben sind, wo sie waren). Wie die Geschichte heißt, weiß ich nicht, sie ist neu und noch nicht abgedruckt soviel ich weiß.

Dann erzählte sie, daß sie innerhalb von drei Tagen (!) mal 63 Interviews gegeben hat und zwar hauptsächlich Reportern von 'local radio stations'. Dabei würden teilweise doch ziemlich blöde Fragen gestellt - unter anderem auch, was sie denn von den Spice Girls halten würde - und sie hätte immer Probleme mit der Antwort: schließlich hörten bei diesen Lokalsendern ja auch Familien mit Kindern mit... ;-) Sie beschwerte sich darüber, daß die Journalisten meist ohnehin vorgefertigte Meinungen haben und vorher schon wissen, was sie schreiben werden, so daß man am Ende immer ganz verblüfft ist über das, was man so alles gesagt haben soll (wer weiß, vielleicht bin ich ja auch nicht besser ;-)) - ich bemüh mich aber ;-) )... Neuerdings, stellte sie dann fest, würde eine neue Frage Eingang in den Fragenkatalog finden, was sie - 42 - eigentlich gar nicht so toll findet... 'Sind Sie eigentlich ruhiger, weiser.. geworden, nun, da Sie älter werden?'

Age

Zwischendurch - ich weiß nur nicht mehr, vor welcher Geschichte - erzählte sie noch, daß sie jetzt auch studieren würde: interdiciplinary human studies oder sowas. Jedenfalls Soziologie, Psychologie.. und eben auch Statistik... und durch diese Statistik-Prüfung sei sie mit Pauken und Trompeten durch gefallen, so daß sich niemand anders mehr Gedanken machen müsse... schlechter könne er/sie auf gar keinen Fall sein: Sie war bis um 7 Uhr morgens auf einem NMA-Gig - um 9 war die Klausur - und zu allem Übel hatten sie sich noch mit 'body glitter' eingeschmiert... Sie hatte leider keine Zeit mehr zu duschen, so daß es überall, wo Joolz ging und stand, glimmerte ;-)) Sie kam also in die Klasse, versuchte ihre Diskette in das Laufwerk zu bekommen - was leider nicht funktionierte. Sie war ziemlich unglücklich, daß ausgerechnet sie den einzigen defekten PC erwischt hatte - bis sie feststellte, daß ihr Freund Matthew (so hieß er glaub ich), der neben ihr saß, absonderliche Handbewegungen machte (sie kann das viel schöner vormachen als ich schreiben, daher:: ansehen!!!). Die Diskette war falsch herum ;-)) Sie brachte es zustande, ihren Namen zu schreiben (wie sie wohl außer Joolz noch heißt??) stellte dann aber fest, daß sie die letzten 10 Minuten geschlafen hatte und ging wieder nach Hause ;-)

Wie bereits zuvor (irgendwas Unwichtiges über Franzosen, die englische Regierung und Fernsehen in Frankreich) kamen jetzt mal wieder die Franzosen an die Reihe. Alles, sagte sie, was mit Essen oder Sex (French kiss ;-) ) zu tun habe, habe in Englisch das Präfix 'French' - weil die Engländer eben neidisch auf die Franzosen seien, die so etwas tun würden wie essen und Sex haben ;-) (btw: dasselbe würde sie auch in England erzählen, wo man sie nur reichlich pikiert ansehen würde und denken würde: "She has been abroad for too long, she gets a European" ;-) ). Dies brauchte sie als Einleitung für eine Geschichte, die in einer 'pox clinic' angesiedelt ist. 'Pox', erklärte sie, sei ein merkwürdiges und sehr altes Wort. Es sei früher benutzt worden für Hautkrankheiten aller Art, die mit Beulen oder Flecken einhergingen. Heutzutage würde es nur noch benutzt für Krankheiten, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden - French pox.

Forgiveness

Dann erzählte sie noch von einer Campingtour und schlug jedem, der irgendwie beabsichtigen würde zu heiraten, vor, doch vorher mal eine zweiwöchige Campingtour zu unternehmen - fernab von jeder Zivilisation in einem möglichst kleinen Zelt. Wer sich am Ende einer solchen Tour noch mögen würde, der könnte ruhig heiraten, schlimmer würde es nicht ;-)) Jedenfalls könnte man bei solch einer Tour eine Menge über die Menschen lernen, wie der Kern, das Allerinnerste eines Menschen beschaffen sei... was uns zu einer Geschichte brachte über die überflutete Furt eines Flusses in Neuseeland.

We came down off the mountain

Die letzten beiden Geschichten drehten sich um das Verhältnis von Eltern zu Kindern. Meist würde das Verhältnis von Müttern zu ihren Kindern beschrieben, das Verhältnis der Väter würde weniger thematisiert. Die erste der beiden Geschichten hatte genau das zum Thema. Ein Vater, der ein kleines Kind auf dem Arm hält und es beschützen möchte vor der bösen Welt und doch weiß, daß es ihm nicht gelingen wird:

Baby

Die letzte Geschichte ist angesiedelt in Bradford, in einem kleinen Restau rant auf einem Hügel, das schon seit drei Generationen von einer italienischen Familie geführt wird und wo jeder jeden kennt - sogar der Geburtstag der Gäste wird verzeichnet... in dieses Restaurant tritt eines Tages eine Frau mit zwei Kindern... es geht um Macht und um die gnadenlose Rache an unschuldigen Kindern, weil man sonst nichts anderes ist und kann und vielleicht selbst nie etwas anderes erfahren hat als Unterdrückung und Haß. Die Geschichte hieß

Root and Branch.

"Until last night I didn't think this boy had a name. But he has one. His name is Liam, his name is Liam, his name is Liam."

Dann in der zweiten Hälfte kamen in Bochum leider nur drei Fragen:

1. Ob sie noch einmal heiraten würde

Nein, würde sie nicht. Und dann kamen diverse Gründe, warum nicht. Zum einen sei das Kleid lächerlich. Wenn man einmal gesagt habe, man würde heiraten, würde eine ganze Maschinerie in Gang gesetzt, die man selber nicht mehr in der Lage wäre zu stoppen. "Und außerdem, girls, ist dieses weiße Kleid doch ohnehin nichts als eine große, weiße Lüge, nicht wahr?" ;-) Und Jungs in Anzügen und Kravatten, die in ihrem Leben noch keine Kravatte getragen hätten, sähen mindestens genauso albern aus. Außerdem habe sie festgestellt, daß bei der Heirat etwas Merkwürdiges vonstatten geht: der Mann, mit dem man eben noch auf Konzerte ging und Nächte durchgesoffen hat, wolle plötzlich, daß seine Wäsche gewaschen wird, morgens das Frühstück fertig ist und nachmittags, wenn er nach Hause kommt, das Essen auf dem Tisch steht.Eh man sich versehe, würde man nämlich transformiert: von seiner Freundin in seine ...Mutter!!! ;-))

2. Welches denn nun ihr liebstes Spice Girl sei

Was zu einer sehr ernsten Betrachtung über die Ausnutzung von jungen Mädchen führte, die ohnehin nur Marionetten seien und aussehen würden wie billige Huren. Sie meinte, wenn sie schon so viel Geld verdienen würde (was ja nur die Spitze des Eisbergs sei) und diesen Aufzug auch noch schön finden würde, würde sie sich wenigstens anziehen wie eine teuere Hure! Jedenfalls seien die Mädels doch, wenn sie älter wären, fertig und würden immer nur davon träumen, was früher gewesen wären. Bedenklich findet sie den Einfluß, den die Mädels, vor allem wohl in England, auf die jüngeren Mädchen ausüben, die dann abends ebenso billig aufgestylt losziehen würden: wer sich anzieht wie eine Hure, der wird auch als solche behandelt. Weitere Menschen, über die viel gelacht wird, über die sie sich jedoch eher mitleidig äußerte und Vermutungen anstellte über die Kindheit, die diese Menschen wohl gehabt haben müssen, um solche Veränderungen mit sich vornehmen zu lassen, waren Pamela Anderson und Michael Jackson. Dazu kamen dann noch Betrachtungen über die Schädlichkeit von Walkmen und Computerspielen und Eltern, die Fernsehen und Walkmen dazu einsetzten, sich selber von ihren Kindern zu befreien, sie ruhig zu stellen. Diese Kinder, meinte Joolz, wüßten doch gar nicht, wie sie sich in der Gesellschaft zu benehmen hätten, hätten noch nie was von Höflichkeit gehört, würden in ihrer eigenen kleinen eingestöpselten Welt leben und sie hätten später mal nicht die geringste Möglichkeit, Beziehungen einzugehen, weil sie das nie gelernt hätten. Ziemlich ernste Ausführungen für eine sicherlich witzig gemeinte Frage. Letzteres mit den Walkmen hat sie im übrigen auch in Gelsenkirchen erzählt. Die dritte Frage fällt mir gerade nicht ein, aber sie wurde von Joolz, die an einer Stimmbandentzündung litt, auch nicht besonders ausführlich beantwortet. Dann kam der Schluß:

We will have redemption, we will be redeemed

In Gelsenkirchen war der erste Teil in etwa derselbe, gut, andere Wortwahl, vielleicht einiges ausführlicher, anderes weniger ausführlich. Der zweite Teil war dafür anders, weil eben auch andere Fragen kamen. Zwischenzeitlich erzählte sie noch, daß sie demnächst auf dem Glastonbury Festival auftreten würde und daß sie Festivals haßt! Sie ist sicher, sagte sie, daß es alle vier Tage regnen werde ;-)) Was sie wiederum dazu veranlaßte, etwas von einem anderen Festival zu erzählen, auf dem sie ebenfalls auf einer relativ großen Bühne auftrat, lief ein großer schwarzer Labrador mit treuem Hundeblick auf eben diese - was Joolz geringfügig nervös machte. Dieser Hund setzte sich dann genau neben sie, himmelte sie an 'I love humans', legte sich dann auf oder neben ihre Füße. Und sie stand da und wollte ernsthafte Poetry vortragen... "wie soll das denn gehen, wenn so ein großer schwarzer Hund mit treuen Augen neben einem sitzt und hechelt??" ;-)

Eine Frage bezog sich auf Abtreibung. Hierzu meinte sie in Kurzfassung nur, daß die Frage von jeder Frau selbst zu beantworten wäre, daß alles andere Politik sei, die zudem noch zum größten Teil - "sorry guys" - von Männern gemacht würde. Und daß es immer Mittel und Wege geben werde und immer Frauen, die verzweifelt genug wären, sie auch anzuwenden.

Eine weitere bezog sich darauf, ob sie auf Dauer in Neuseeland leben wolle/ könnte. Sie fand das Land faszinierend - zumindest nach den ersten zwei Wochen. Wüßte aber nicht, ob sie es auf Dauer aushalten würde... Sie meinte aber, sie wolle dort auf jeden Fall nochmal hin, vielleicht auch auf den Inseln Urlaub machen - dem einzigen Ort, an dem sie sich als Topmodel fühlen könne, bei all den dicken Maori-Frauen ;-)) Die übrigens ganz fasziniert waren von der Idee, daß man sich tätowieren läßt, was einem gefällt und einfach so. Bei ihnen sind die Tätowierungen wohl Ausdruck für die Sippe, die Abstammung. Hinzu kamen noch längere Ausführungen über die Maoris und ihre Probleme. Zum Tätowieren und zum Piercing sagte sie noch was Witziges: Wenn eine Frau sich aufregt, weil ihre Tochter Dreadlocks und Piercings in der Nase und in der Augenbraue hätte, würde sie immer sagen: 'Nimm die Piercings raus, schneid ihr die Haare ab, zieh sie vernüftig an und Du hast einen Banker'. Nicht so bei Tattoos, die sind für's Leben - was dann wieder eine Geschichte von einer Bekannten damals in der Satan-Slave-Gang nach sich zog, deren Freund den Spitznamen 'Maggot' (Made) hatte und die sich 'owned by maggot' oder so ähnlich ziemlich groß auf ihr Hinterteil hatte tätowieren lassen. Joolz hat sie letztlich mal wieder getroffen - sie sah richtig ordentlich aus - und man erzählte so dies und das und schließlich erzählte diese Frau, daá sie in der nächsten Woche heiraten würde. 'Ah, Maggot', fragte Joolz. 'Nein.' sagte die andere, sie wolle einen richtigen, seriösen Mann heiraten. Und Joolz dachte die ganze Zeit an dieses riesige 'owned by maggot' ;-)) Und überlegte, wie man das anständig verpackt fragen könnte, kam zu dem Schluß, daß man sowas anständig nicht fragen kann und fragte deshalb direkt! Die Antwort war, daß sie wohl bisher mit diesem Mann immer nur im Dunkeln im Bett war und er davon keine Ahnung hatte. Auf die Frage, wie das denn dann in der Hochzeitsnacht laufen sollte und in den Jahren danach, meinte die Bekannte nur, daß es dann ja egal sei, dann sei sie verheiratet... soviel zu Tattoos.

Die nächste Frage war, warum sie immer nur ernste, traurige, wütende Geschichten schreiben würde, woraufhin sie sagte, daß jedem seine 'voice', seine Stimme gegeben sei, mit der er reden oder spielen oder singen könnte. Bei ihr wäre es eben die Gabe, Dinge, die in der Nähe - sie sei sehr kurzsichtig - wären, sehr deutlich zu sehen. Und dazu gehörten eben auch zwischenmenschliche Beziehungen. Und hier eben vor allem die weniger angenehmen...

Eine Frage bezog sich auf ihre Begegnung mit einem deutschen Polizisten in der Villa von Bekannten, bei denen sie mit ihrem Fahrer Warren übernachtet hat. Der suchte wohl nach Verbrechern, die ein paar Tage zuvor in dieser Gegend eingebrochen hatten - es gab gewisse Verständigungsschwierigkeiten und der Polizist schaute nach Joolz Angaben ein wenig skeptisch, als er abzog. Dazu sagte sie, daß sie Polizisten immer erkennen würde, auch wenn sie in Zivil wären und daß Polizisten - sie mag sie, würde ihren Job um keinen Preis tun wollen (z. B. Eltern mitteilen, daß ihre einzige Tochter umgebracht worden wäre) - aber sie bekommt jedesmal ein schlechtes Gewissen, wenn ein Polizist auch nur 'Hallo ' zu ihr sagt, auch wenn sie gar nichts ausgefressen hat ;-)) So wohl auch an diese Abend. Der Polizist hat ihr ihre Pizza, ihren Fernsehabend, ihre Nacht vermiest: weil sie die ganze Zeit darauf gewartet hat, daß eine ganze Horde von Polizeiautos mit Blaulicht das Haus umstellt und sie und Warren als vermeindliche Täter verhaftet würden - was natürlich nicht geschah...

Weiterhin ging's noch darum, ob sie eine Homepage hat. "Nein, keine offizielle", war die Antwort. Dafür habe sie zu wenig Ahnung von diesen Dingern. Aber es gibt eine (ich weiß nicht, ob sie die meint, die ich kenne ) und sie wäre immer wieder verblüfft, was da alles stünde und was diese Leute alles wissen - oder zu wissen glauben. Sie ist auch überrascht, wenn sie dicke wissenschaftliche Abhandlungen über ihre Gedichte lesen würde... sie habe immer gedacht ihre Poems seien.."just poems" - aber weit gefehlt: they are really psychological, sociological..:-))

Dann kam noch die Frage nach ihrem Glauben: "Nicht ans Christentum" war das erste, was sie sagte. Sie selber bezeichnet sich als Paganistin. Letztes Jahr in Bochum war sie in dieser Hinsicht viel ausführlicher. Hier sagte sie nur, daß es eigentlich egal sei, an was die Menschen glauben würden, wenn sie nur auf diesen Planeten - Gaia - acht geben würden. Damit wären schon eine Menge Probleme gelöst.

Genial war noch das Rahmenprogramm in der Kaue. Zunächst mal war das Ambiente sowieso toller - ein dunkler Saal (klein) mit Dämmerlicht und Kinosesseln Vorspann und Pause: Harfenmusik. Typisch und untypisch und alles improvisiert.Genial, wirklich! Ganz anders als diese sterilen Uni-Räume!!

Dann kam auch hier leider der Schluß

We will have redemption, we will be redeemed.

Fazit: immer wieder.

PS: Sie hatte kein Kind dabei, sondern erklärte, daß sie Kinder lieben würde, sie gern verwöhnen würde mit Süßigkeiten und ihnen mit Vorliebe auch kleine Blechtrommeln schenken würde - aber am allerliebsten würde sie sie ihren Eltern wieder zurückgeben, die sich dann mit der Frage herumärgern müßten: 'Mammi, warum bist Du nicht so nett und lustig wie Auntie Joolz??' ;-))

Auch hier wieder: Dank an Markus Lutter für die Korrektur von Einzelheiten - wir wollen das Dichten ja schließlich Joolz überlassen :-)

(c) AT 1997

zurück zum Seitenanfang

Joolz

Bochum, 19.06.1998

Joolz war wieder in Bochum, zum dritten Mal in Folge an einem 19. Juni ;-) Trotz WM war's relativ voll - selbst am Montag, meinte Steffi (der 'Organisator' ;-) ) - Grund war aber sicherlich auch, daß sie entsprechend früh angefangen haben, nämlich schon um 18:00 h.

Joolz - wieder mit roten Haaren - meinte, sie sei glücklich, wieder in 'Bockum' zu sein, sei sowas wie ein 'Heimkommen'.

In diesem Jahr erzählte sie irgendwie weniger zwischen den Geschichten wie in den letzten beiden Jahren, ansonsten war sie natürlich gut wie immer. Auch den beiden 'Newbees', die ich mitgeschleppt hatte, hat es wohl gefallen. Dem einen merkte man es an (er quatschte auch am Ende gleich noch mit Joolz), dem anderen nicht so sehr, ihm muß ich wohl einfach glauben ;-) Joolz begann mit einer Geschichte namens Wuthering Heights, dem einen oder anderen mag bekannt sein, daß dies der Titel eines Buches von Emily Bronte ist - oder der Mehrheit sagt er vielleicht eher was in Verbindung mit dem Namen Kate Bush, meinte jedenfalls Joolz. Selbige hätte aber nach eigenen Angaben das Buch nie gelesen... (dazu sag ich jetzt mal lieber nichts...).Wie wohl auch die Leute, die in der Heimatstadt der Bronte-Schwestern - nicht weit entfernt von Bradford (der Heimat von Joolz) und jetzt fest in Touri-Hand - diese ganzen Gedenkgeschichten aufgezogen haben: zuckersüß und niedlich und kitschig, was völlig im Widerspruch stünde zu den tragischen, leidenschaftlichen Romanen der Schwestern. Vor allem Heathcliff - düsterer Held in Wuthering Heights - hätte schon so manches englische Teenagerherz gerührt und die Mädels angehalten, einen solchen Mann zum Traummann zu erklären - was es den Jungs wahrhaft schwer machen würde, meinte Joolz ;-)

Diese erste Geschichte also handelte von einem Mädchen namens Emily - benannt nach eben dieser Schriftstellerin - die, nicht besonders hübsch aber gut in der Schule, eines Tages entdeckt, daß ihr Traum das eislaufen ist, die aber mit diesem Traum auf absolutes Unverständnis ihrer Eltern stößt und, da sie keine Kämpfernatur ist, diesen Traum begraben muß und im Prinzip damit sich selbst begräbt.

Die nächste Geschichte - Daddy - handelte von Drogen. Joolz erzählte vorab, daß sie sich ja immer einige Wochen vor einer Tour Gedanken machen würde, was sie denn lesen würde. Dieses 'Daddy' war bereits da schon in die Auswahl einbezogen worden. Dann jedoch passierte etwas, daß sie nur noch in dieser Absicht bestätigte: sie erhielt einen Anruf von einem TV-Sender (den Namen hab ich vergessen, jedenfalls dem 'alternativen' in England), sie solle doch an einer Sendung über Drogen in Bradford mitwirken. Und als sie etwas irritiert fragte, warum, sagte das nette Mädel am anderen Ende ihr: 'Weil Sie doch darüber so gut informiert sind - sagt man.' War natürlich klasse, wie sie das vorgemacht hat, aber die Geschichte ist auch so ganz gut ;-) Joolz war also in jedem Fall doch etwas verwundert ob dieser Aussage und nach einigem Überlegen kam sie darauf, daß sie irgendwann vor 20 Jahren mal einen Leserbrief über die Zustände in Bradford geschrieben hatte, über die mangelhafte Aufklärung bzgl. Drogen, daß Acid und sonstige 'Pills' halt als Smarties angesehen wurden, daß man dachte, wenn man Heroin rauche, wäre es schon nicht so schädlich, halt wie Gras, und daß es als chic galt, diese Plastikarmbänder aus dem Krankenhaus zu tragen, auf denen 'Drug AD' stand. Dieser Artikel wurde auch in der regionalen Presse veröffentlicht und sorgte für ziemlichen Wirbel, mit dem Ergebnis, daß lokale Politiker das alles als Quatsch abtaten (vielleicht war grade Wahlzeit?) und Joolz der Lüge bezichtigten. Irgendjemand hatte nun in der Zwischenzeit ein Buch über diese Zeit geschrieben und auch Joolz' Brief von vor 20 Jahren wieder ausgebuddelt - die Referenz für die Journalistin... Joolz lehnte also dankend ab, weil sie nun wirklich keine Lust auf Streßund sonstiges hatte, und das Mädel blieb dabei, ihr immer wieder zu sagen: 'But you can be on the television' ;-) Und Joolz meinte daraufhin: danke, war ich schon, fand ich nicht so toll. Was dieses gute Kind aber gar nicht nachvollziehen kann, so daß sie nun jeden Tag anrufen würde. Joolz sei froh, daß sie jetzt auf Deutschland-Tour wäre, weil sie dadurch diesen lästigen Anrufen entgehen könne ;-) Zwischenzeitlich habe das Mädel - wirklich hartnäckig - sogar die Satan Slaves (Joolz 'erster' Ehemann war Mitglied dieser Gang) angerufen und gesagt, sie würde im Auftrag von Joolz handeln!! Was erstmal richtig gestellt werden mußte ;-)

Dann folgte Daddy, von jemandem mit Frau und zwei kleinen Kindern, der sie - die Babysitterin - zwingt, für ihn die harten Drogen zu verstecken, damit die Kinder, die ihn abgöttisch lieben, sie nicht in die Finger bekommen. Und über ihre Ohnmacht und Wut, sich auf sein Niveau herab lassen zu müssen, um der Kinder willen.

Dann erzählte Joolz, daß sie nun angefangen habe, ihre Autobiographie zu schreiben. Und sie könne das jedem nur empfehlen, man hätte plötzlich so ein Gefühl der Macht und Leute würden anfangen, einen mit Schokolade und sonstigen Dingen zu bestechen ;-))) zum Beispiel erzählte sie, daß dann Leute anrufen würden, von denen man 20 Jahre oder so nichts mehr gehört habe und fragen würden: 'Hey, ich hab gehört, Du schreibst jetzt Deine Autobiographie? Wie weit bist Du denn schon? Und, Du willst doch nicht wirklich das schreiben, was uns damals als 16jährigen passiert ist, Du weißt doch noch...' 'Nein, stimmt, das hatte ich ganz vergessen' 'Shit!' ;-))

Joolz erzählte, daß sie damals alle zusammen im Hause ihrer Großmutter, ihrer Nana, gelebt hätten, sie, ihre Mutter, noch irgendeine Tante und eine Cousine sowie viele weibliche Tiere - und ihr Vater, allein unter lauter Frauen. Er sei sehr groß und kräftig und intelligent gewesen und immer, wenn sie an ihn denkt, sieht sie in in diesem Haus auf dem Sofa sitzen, wie einen großen Bären mit all den Frauen, die um ihn herumspringen. Der erste Ausschnitt aus ihrer Biographie behandelte einen Abschnitt, als sie etwa 7 war: sie spielte ab und an - wenn ihre Freundin krank war oder aus sonst einem Grund keine Zeit hatte - mit einem Jungen aus der 'working class', was sich für ihre Familie eigentlich nicht 'schickte'. Es sagte aber niemand konkret etwas dagegen, vielleicht, weil alle hofften, daß 'sich das schon geben werde', wenn sie erstmal älter sei. An einem Tag geriet sie dann in die Wohnung dieses Jungen, der sie zum Orangensafttrinken eingeladen hatte. Sie saßen in seinem Zimmer auf dem Bett und lachten und kicherten miteinander, spielten mit seinen Plastikindianern, was man als Kind eben so tut. Und plötzlich stand die Großmutter des Jungen im Raum, eine ganz andere Großmutter als Joolz' Nana, eine, die Angst macht und die ihnen schlechte Dinge unterstellte, die Joolz damals noch gar nicht begriff. Sie wußte nur, daß sie Angst hatte, daß sie weg mußte aus dieser Wohnung, weg von dieser Frau und daß sie ihren Eltern und Verwandten davon nichts erzählen durfte, egal was sie sagen würde, sie würden es nicht verstehen...

Die nächste Geschichte hieß Corky, handelte wohl eigentlich von einem Mann namens John Cochran und hatte etwas zu tun mit Fahrrädern. Fahrrad fahren sei zumindest in Bradford nicht gerade üblich, es sei sehr bergig da und entsprechend viel zu anstrengend ;-) Sie hätten auch irgendwo einen Radweg..allerdings bedeutete das Zeichen für Radweg in Bradford: bitte hier parken.. der Radweg existiere also nur gerüchteweise unter irgendwelchen Horden von parkenden Autos... Die Geschichte handelte eben von Corky, einem Mann, nett, fröhlich, beliebt, der immer mit dem Fahrrad in die Stadt fuhr. Eines Tages wurde er dabei von einem unachtsamen Autofahrer überrollt, sein Kopf platzte auf, 'something came in, something came out'. Er überlebte. Aber er war nicht mehr derselbe. Man kann durch Unfälle viel erleiden, aber besonders schlimm ist es, wenn man zwar lebt, sich aber selbst verloren hat, innerlich gestorben ist, sein eigenes Ich nicht mehr wiederfindet. Corky sah aus wie Corky, reagierte auf den Namen, lief umher, aber eigentlich war er tot, hatte sich selbst in sich verloren.

Sie meinte dann, daß es ihr immer schwerer fallen würde, mit Journalisten und auch mit Polizisten umzugehen, weil sie alle so jung seien, sie sei immer in Versuchung zu sagen: Komm, Junge, geh nach Hause zu Mama ;-) Was sie zu dem brachte, was sie auch im letzten Jahr schon erzählt hat:

Age

Danach kam noch ein längerer Auszug aus ihrer Autobiographie, eine Geschichte, die sich etwa ereignete, als sie 20, 21 war, verheiratet mit diesem netten Jungen der Satan Slaves, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe: The Test. Sie erzählte ein wenig über die Aufteilung Englands unter den Satan Slaves und den Hell's Angels, über Gang Fights und Frauen, die Eigentum waren von bestimmten Bikern. Und sie erzählte über die Parties, die immer besonders schwierig und gefährlich waren, wenn sie auf dem Territorium einer anderen Gang stattfanden. Sie erinnerten sie immer fatal an die Dinnerparties, die ihre Familie für die Bosse ihres Vaters und deren fürchterliche Frauen gegeben hatten, wo auch ein falsches Wort alles zerstören konnte. Wie eben auf besagter Party bei einer 'Legende' unter den Bikern, auf einem anderen Gebiet, wo zuvor lange für einen 'Frieden' gekämpft worden war und es nun darauf ankam, bloß nichts falsch zu machen und die Biker als 'Eigentum' vor den anderen nicht zu blamieren... Joolz jedenfalls fühlte sich äußerst unwohl, doch die 'Legende', ein Mann wie Clint Eastwood ;-) , sprach sie sogar an... sie fühlte sich geschmeichelt, bis sie herausfand, daß er sie hochnahm - 'so, Du bist aus der Mittelklasse, sagt man?' - und er mit ihr nach nebenan wollte, um ihr mal was zu zeigen, was ihrer Klasse entsprechen würde, 'something posh'. Sie konnte nicht ablehnen, das hätte ihren Mann in Mißkredit gebracht, sie konnte nichts tun als ihm folgen... dort zeigte er ihr - na ja, das verrate ich euch nicht, steht dann irgendwann in der Biographie - und sie stellte später fest, daß es ein Test gewesen war und sie ihn bestanden hatte... was doch wohl okay ging... oder???

Dieses war der erste Teil - falls jemand ebenfalls da war und ich was vergessen habe, bitte melden ;-)

Der Rest, also die Fragen, kommt demnächst - wenn ihr nicht schon eingeschlafen seid ;-)

(c) Anja Tewes 1998

Tja, den Fragenteil werde ich wohl schuldig bleiben.. mal sehen, vielleicht hab ich den Zettel noch und finde wenigstens die Fragen, die Antworten aber sind wohl für immer verloren... AT 09/2000

zurück zum Seitenanfang 


Joolz

Dortmund, Uni, 29.05.2000

Joolz also war in Dortmund (in Bochum - wo ich traditionell bin, war sie auch, aber ich konnte nicht, mußte daher auf Dortmund 'ausweichen') und zwar in irgendeinem Kellerraum mit einer alten, ziemlich unbenutzt aussehenden Bühne, eigentlich ganz hübsch. Sie blieb aber unbenutzt, weil sie Joolz vermutlich doch zu weit von ihrem Publikum entfern gewesen ist. Gut so! Es waren ca. 40 - 50 Leute dort, anfangs sah es nicht so aus, als würden es überhaupt mehr als 10.

Vorab gab's eine kleine Umfrage, woher die Leute von diesem Auftritt wußten. Dann ging's los, gegen 19:20 h.

Zu erwähnen ist noch, daß neben diesem Raum Übungsräume für Musiker waren, was bei Geigen und Klavieren ja vielleicht nicht so das Problem ist, wenn auch eine etwas seltsame Untermalung für Joolz - aber wenn jemand anfängt, seine Drums zu quälen, dann wird's schon ein wenig nervig...

Weiterhin noch wichtig für den weiteren Verlauf des abends: neben mir saß ein Idiot, vielleicht konnte er ja nichts dazu... oder aber, er konnte und kam sich super-toll und wichtig vor, ich weiß es einfach nicht. Zog Grimassen, fragte, ob das jemand nachmachen könne, redete plötzlich in schweizer Dialekt, sehr sehr seltsam, aber bis dato jedenfalls ungefährlich und nicht weiter störend ;-)

Joolz begann nach einer relativ kurzen Einleitung - sie stand übrigens die ganze Zeit und lief vorn vor den Leuten auf und ab - mit Joey and the gypsy king. Sie erzählte zwischen den Geschichten relativ wenig, irgendwie anders als noch vor zwei Jahren, als ich sie solo das letzte Mal gesehen habe. Danach also relativ kurz eingeleitet Under the bridge, die Geschichte über das Café‚ in diesem Einkaufszentrum in Bradford. Das einzige, was sie hier vorab erklärte, war das Wort Gazebo, was so viel wie Pavillon heißt, die man ab und an aus weißem Stoff in Gärten stehen sieht. In dem Stück selbst gibt es eine Passage, wo die Mädels, die sie beschreibt, singen: take me to the place I love, take me all away.. das hat sie dann auch in die Tat umgesetzt, echt klasse, sie sollte bei Red Sky Coven häufiger singen ;-). Aber leider nervte die ganze Zeit dieser Typ neben mir: er steckte sich etwa drei Kaugummis in den Mund und schmatzte mit offenem Mund die ganze Zeit intensiv vor sich hin, rutschte von einer Seite zur nächsten, tippte mit den Füßen auf die Erde und langweilte sich offensichtlich, wollte provozieren? Vielleicht. Jedenfalls drehten sich auch von vorn dauernd Leute um und Joolz fixierte ihn auch des öfteren. Nun ja. Sie erzählte in der Geschichte, daß keiner der Leute, die um diese nervigen Mädels, die Hauptakteure der Geschichte, selbige ansprachen, das einzige, was man tat, war die Augen gen Himmel zu verdrehen. Wie um diesem Umstand zu widersprechen, drehte sich nach der Geschichte jemand aus der ersten Reihe um und fragte Mr. Strangeguy, ob er nicht mal mit dem Geschmatze aufhören könne. Er konnte. Immerhin. Danach fing er wieder an, herumzurutschen, seine Haare mit Spucke zu befeuchten und sie nach hinten zu striegeln, mitten in einer nicht gerade witzigen Geschichte einen Lachkrampf zu bekommen.. ich weiß nicht. Vielleicht wäre er besser gegangen. So konnte der Funke von Joolz irgendwie nicht überspringen und ich hatte zusätzlich noch den Eindruck, daß sie ihr Programm ein wenig lieblos herunterspulte.. wer weiß, vielleicht hat sie der Typ auch genervt?

Naja, weiter ging's jedenfalls mit Corazon: "Wenn Ihr die Augen schließt, könnt ihr dieses Scheißwetter vielleicht kurz vergessen und einen Ausflug machen nach Spanien."

Danach erzählte sie, daß sie eigentlich mehr der häusliche Typ ist, nicht sonderlich gern auf Parties geht, aber gut, manchmal läßt man sich dann doch überreden. Sie meinte noch, die nächste Geschichte hieße the story, nicht gerade sonderlich originell, aber sie sei wirklich schlecht mit der Vergabe von Titeln, das ist das schwerste - für fast alle Schreiberlinge, meinte sie. Diese Story jedenfalls handelt von einer Party und von einem Typen, den sie dort trifft, der ihr etwas schreckliches erzählt aus seiner Kindheit, das er die ganze Zeit mit sich rumschleppt und von dem er hofft, daß es verblaßt, wenn er es nur oft genug erzählt und weitergibt an andere.

Die bisher gehörten Geschichten stammen übrigens alle aus dem neuen Buch Errors of the Spirit.

Die nächste Geschichte hieß The ribbon, es ging um eine Ausgrabung 1926, in der irgendwo in Mesopotamien (if you don't know where it is, just imagine that there is a lot of desert and it is hot) ein Grab einer Königin gefunden wurde, der 68 Jungfrauen in den Tod gefolgt sind. Alle sahen identisch aus, lagen identisch, waren identisch angezogen.. alle bis auf eine, die scheinbar irgendwie zu spät gewesen war für ihren eigenen Selbstmord.... der Rest der Geschichte sind Spekulationen darüber, wie dieses eine Mädchen wohl war und warum sie selbst für diese Sache zu spät war..

Dies war die einzige Geschichte, die ich von Joolz noch nicht gehört hatte und die auch in ihrer neuen Sammlung nicht enthalten ist. Sie war schön und es beruhigt mich zu wissen, daß es schon wieder neues Material gibt ;-)

Im übrigen war dies die Geschichte, wo man dann nebenan anfing, die Drums zu quälen. Angela, die den Joolz-Gig in Dortmund veranstaltet hatte, mußte sich erstmal in Bewegung setzen und den Drummer davon überzeugen, daß es zum Üben keinen ungünstigeren Augenblick geben könne - sie war erfolgreich, congrats ;-)

Danach erzählte Joolz noch einmal, daß sie ja einen Roman geschrieben hat, dafür auch den Crime Writers award gewonnen hat. Sie erzählte davon, daß zwei komische Weiber sie für eine Amerikanerin gehalten haben (that strange woman with all these tattoos, must be an American) oder doch zumindest für einen der 'Verbrecher', die die crime writer so gern für ihre Romane interviewen ;-) Das, was sie vorgelesen hat, war allerdings neu, nämlich das Kapitel über die Halloween-Party, auf der Mr. Timberlands Sean Powers das erste Mal bei Lily, Mojo und Jamie zu Hause aufkreuzt.

Vorab gab's eine kurze Zusammenfassung über das Buch namens Stone baby: erzählt wird es von Lily, die mit dem Transvestiten Mojo und der Komikerin (stand-up comedian) Jamie Gee in einem Haus lebt und die Jamies Gigs managed. Jamie hat ein gravierendes Problem: sie gerät immer an die falschen Männer. Einer davon ist eben dieser oben erwähnte Sean Powers, der, wie wir schon direkt am Anfang des Buches erfahren, ein Serienmörder ist. Jamie hat davon nichts gewußt, aber der Mob, die Zeitungen, das ganze Land, glauben ihr nicht, nehmen sie genüßlich auseinander. Der Part, den Joolz vorgelesen hat, symbolisiert den Beginn dieser verhängnisvollen Beziehung zwischen Jamie und Mr. Timberlands (so nennt ihn Lily, weil er bei der ersten Begegnung der drei, als sie noch nicht wußten wie er hieß, Timberlands getragen hat und aussah "wie ein Brad Pitt für Arme").

Tja, danach war dann schon Pause und es sollten Fragen gestellt werden. Zettel standen zur Verfügung, aber es wurden leider nur zwei genutzt.

Los ging's damit, daß unser Mr. Strangeguy eine Frage direkt aus dem Publikum stellte - an sich ja mutig aber die Frage war: Are you Joolz? Wirklich sehr strange. Er erdreistete sich dann noch zu erklären, daß er anhand des Bildes auf dem Plakat jemand anders erwartet hätte, jünger, mehr so was in der Richtung Viva 2-Moderatorin und ob das Bild wohl schon älter sei.

Joolz ließ sich glücklicherweise nicht aus der Fassung bringen (da muß schon anderes passieren, um diese Frau umzuhauen ;-) ) und fragte ihn erstmal, ob er denn eine Freundin habe. Was er verneinte (wie verwunderlich ;-) ). Darauf meinte sie, daß er, wenn er mal eine haben sollte, unbedingt darauf achten solle, solche Dinge nicht zu fragen, das würden Frauen äußerst übel nehmen ;-) Sie driftete dann ab in Richtung Models und jung sein und machte aus der an sich blöden Frage noch eine gute Antwort.

Die zweite Frage war vom Zettel: wie es mit RSC weitergehen würde. Sie erklärte kurz für die, die es nicht wußten, was Red Sky Coven ist. Sie seien schon sehr lange befreundet, und RSC sei einfach Spaß, es sei toll, das Publikum zu beobachten, wenn einer der anderen dran sei, es sei witzig, Rev Hammer bei seinen endlosen Witzen zuzuhören, die zu nichts führen würden, nicht witzig wären, aber der Weg sei bei ihm das Ziel, und der wäre es wirklich wert ;-). Ihn würde es jedesmal aus der Fassung bringen, wenn die mitreisenden Fans kurz vor seiner Pointe selbige herausbrüllen würden und es würde einfach immer wieder Spaß machen. Vermutlich kämen sie um Weihnachten herum wieder auf Tour, weil Revs Frau schon wieder schwanger ist und er das Geld braucht ;-)

Dritte Frage - wieder vom Zettel: Do you and Justin eat meat? Ja, sagte sie, wir sind böse, wir essen Fleisch, aber nicht häufig. Sehr gern allerdings würde sie manchmal Hühner essen und selbigen auch manchmal den Hals herumdrehen. Klar seien sie niedlich wenn sie klein sind, aber ihre Gefühle, ihnen den Hals herumdrehen zu wollen, würde jeder nachvollziehen können, der schon mal mit Hühnern gelebt hätte, sie würden einen einfach nervös machen, und Hähne wären noch schlimmer. Sie seien einfach irgendwie Gemüse mit Federn.
Dann erzählte sie noch von ihrer Back-to-the-roots Phase, wo sie alles selber angebaut haben, wo sie selber Socken gestrickt haben und mit Armbrüsten Hasen geschossen haben. Wer aber einmal einen Hasen gehäutet und ausgenommen hat, wüßte, daß man daran schnell die Lust verliert - das Ganze hat sie natürlich etwas anschaulicher dargestellt ;-) Und eine Frau aus dem Publikum wußte anscheinend ziemlich genau, wovon sie sprach ;-)

Joolz sagte aber auch, daß sie halt so viel in der Gegend herumziehen würden und manchmal muß man eben essen, was man bekommt, da kommt man mit Aussagen wie: Ich bin aber doch Vegetarier eben nur bedingt weiter...

Die letzte Frage war wieder direkt aus dem Publikum und irgendwie war es auch - trotz Verbindung mit NMA - die beste: Der Typ meinte, er kenne Joolz halt nur als Cover-Designer und Merchandise-Mitarbeiterin von NMA und er wollte wissen, ob und wenn ja inwieweit Justins Musik ihre Arbeit beeinflussen würde.

Ob: klar, und der Grund sei ganz einfach der, daß sie in einem Haus leben würden. Sie würden sich gegenseitig beeinflussen. Sie kennt Justin nun seit 21 Jahren und irgendwann haben sie mal nebeneinander gesessen und - wie man das so macht Mitte 20, haben einander gefragt, was sie mit ihrem Leben anstellen wollen. Justin sagte, er werde ein berühmter Rocksänger. Joolz hat gelacht, was soll man mit einer solchen Antwort sonst machen? Und sie sagte ihm, sie würde eine berühmte Schriftstellerin werden - und es war an ihm zu lachen. Aber sie haben sich eines versprochen: dass sie immer ehrlich zu einander sein würden und das sind sie seitdem gewesen. Dieses Versprechen sei mehr wert als das Lob von Freunden, die einen einfach glücklich machen wollten... sie sind zwei Personen, aber manchmal verschmelzen sie auch zu einer Person.. außerdem: sie sieht sehr schlecht, Justin sieht also für sie und Justin hört sehr schlecht, deshalb hört sie für ihn... the perfect couple ;-)

Diese Geschichte war echt die schönste, aber danach kamen keine Fragen und Joolz war um 20:30 h so schnell weg wie wir gar nicht richtig gucken konnten. Echt schade. Irgendwie war es nicht so wie sonst, woran es lag, weiß ich einfach nicht. Vielleicht fahr ich Freitag nochmal nach Soest, in der Hoffnung, daß es dort anders wird...

(c) 06/2000 AT

(c) Photo: Joolz

zurück zum Seitenanfang 


Joolz

Soest, Alter Schlachthof, 02.06.2000

Der Trend geht zur Zweitlesung - zumal, wenn die erste stimmungstechnisch so seltsam war und ich Bedenken hatte, daß die Magie dieser Veranstaltungen vielleicht verloren gegangen sein könnte...

Der Raum im Alten Schlachthof in Soest sah ein bißchen aus wie ein kleiner Seminarraum (zuerst war ich allerdings in einem größeren Raum, hab auch Eintritt bezahlt und mich dann gewundert, warum alle mit Tensing-T-Shirts rumgelaufen sind, fast alles Kinder waren und auf dem Stempel was von evangelischer Jugend stand... ;-) ), Fenster, weiße Wände, vorn eine Tafel. Der hiesige 'Organizer' hatte den Tisch, der vorn stand, mit einer Decke mit keltischen Mustern dekoriert (das keltische wird Joolz vermutlich nie wieder los) und hatte daneben sogar einen Kerzenständer aufgestellt. Die Kerzen hat er auch angezündet, als es losging, war wirklich nett gemacht.

Steffi, Florian (die Joolz bei ihren Touren in Deutschland immer begleiten, und über die glaub ich auch das booking läuft) und Warren Hogg (Joolz' Fahrer und Mitbewohner, Helfer beim Merchandising für Army) nicht mitgezählt waren gerade mal 23 Leute da - aber es war okay, die Atmosphäre hab ich als sehr angenehm empfunden und da der Raum verhältnismäßig klein war, wirkte es auch nicht leer.

Die Gedichte und Geschichten waren analog Dortmund, die Einleitungen auch: zunächst wieder der Hinweis, die mobile phones und sonstigen neumodischen Geräte doch bitte abzustellen (story des Typen, der mal mitten in einer Lesung einen Anruf angenommen hatte: 'no, I'm in a POETRY reading!') und außerdem den Hinweis, daß es durchaus erlaubt ist, nach den Geschichten zu klatschen.

Danach ging's direkt auf die Festivals, die man an jedem Wochenende im Sommer besuchen könnte und daß es durchaus neben der Besucherseite noch eine andere Seite gibt: Joey and the Gypsy King.

Dann die Geschichte über das Bradforder Shopping Centre, das mal ganz bekannt war, bevor die Shopping centres alle auf die Grüne Wiese gezogen sind und die Stadtzentren veröden ließen: Under the bridge.

Danach, bedingt durch den radikalen Wetterumschwung ;-) gab's eine kleine Abwandlung: Am Anfang der Tour sei das Wetter mies gewesen, daher hat Joolz den Kurztrip nach Spanien für eine gute Idee gehalten: Corazon. Jetzt sei es warm, aber egal, der Trip würde so höchstens erleichtert ;-)

Im Anschluß erzählte sie wieder von den Problemen der Schreibenden Zunft, Titel für Geschichten zu finden, die irgendwas mit dem Inhalt zu tun haben, aber auch nicht allzu viel verraten. Bei der nächsten Geschichte sei es besonders schwer gewesen, daher nur: The Story. Wobei es eigentlich genau darum geht, der Titel ist also nicht einfach gewählt, weil ihr nichts eingefallen ist, wie sie uns vielleicht glauben machen will mit dieser Einleitung...

Die letzte Story vor ihrem Buchauszug war auch hier wieder The ribbon, die noch nicht käuflich zu erwerbende Geschichte über die Ausgrabungen in Mesopotamien im Jahre 1926. Hat mir hier noch besser gefallen als in Dortmund, bei mehrmaligem Hören fallen einem immer mehr Kleinigkeiten auf.

Zu Stone Baby gab es auch hier wieder eine Kurzzusammenfassung. Außerdem erzählte sie, daß sie häufig Fragen (per e-mail oder sonstwie) gestellt bekäme über den Verbleib der Hauptfiguren ihrer Geschichten. Oft weiß sie es einfach nicht, so daß sie lügt, um die Leute zu beruhigen: "oh, ihr geht es gut, sie hat sich scheiden lassen und lebt nun in Neuseeland."
Also hat sie sich gedacht, es sei eine gute Idee, doch mal ein längeres Buch zu schreiben, vielleicht würde sich das Fragen dann erübrigen... ist aber leider nicht so, Schade ;-) Wenn wir also etwas hören wollen von Jamie und Lily sollen wir ihr unsere Adressen geben und sie sorgt dafür, daß wir von den beiden Weihnachtskarten bekommen ;-)))

Der Auszug aus dem Buch war auch der gleiche, den sie in Dortmund schon gelesen hat: Der "letzte Fehler" von Jamie betritt zum ersten Mal das Haus von Jamie, Lily und Mojo... es gibt doch diese Gerüchte, daß Vampire ein Haus erst dann betreten können, wenn sie eingeladen worden sind.. vielleicht gilt dies ja auch für Serienkiller - zumindest an Halloween?

Nach etwa 50 Minuten war auch hier Pause. Auch diese Pause fand ich angenehmer, die Leute redeten miteinander, egal ob sie sich kannten oder nicht. Kann ich mir aber auch eingebildet haben, weil ich schon am Anfang von den Geschichten gefangengenommen worden bin und nicht die ganze Zeit angespannt auf meinen durchgeknallten Nebenmann habe achten müssen (wenn auch ungewollt und unbewußt, so war er doch permanent Teil meiner Wahrnehmung und reduzierte meine Aufmerksamkeit für Joolz - und nicht nur meine!)

Die Fragen im zweiten Teil wurden hier alle mündlich gestellt, niemand schrieb erst einen Zettel. Ich denke, auch dies sagt einiges über die Stimmung dieser Lesung aus.

Okay, der Fragenteil:

1. Die Fragerin sah nicht recht den Zusammenhang zwischen Festivalbesuchern und der ersten Geschichte, den Zigeunern und diesem Kampf zwischen Joey und dem Chef der Zigeuner.

Diese Frage führte zu Erzählungen über Festivals, die Joolz immer nur auf der Seite der 'Arbeiter' mitgemacht hat. Die Story selbst ist einem ihrer Freunde passiert (Name geändert), Mitglied einer italienischen Familie, die schon seit langer Zeit für die Stände auf einem oder mehreren Festivals verantwortlich ist und entsprechend die Kohle einsackt. Die Gipsies wollten dieses Geschäft übernehmen und es kam zum Kampf, Joolz' Freund gewann, es blieb in den Händen der Italiener. Im Grunde sind diese ganzen Dingen hinter den Kulissen, also den Bands und den schönen 'Geschenkartikeln' oftmals aufgeteilt zwischen 'Gangstern' und oftmals herrscht Krieg. Joolz verglich die Festivals mit einem Kuchen: Das 'icing on the cake' ist das, was die Festivalbesucher sehen sollen, die coolen Bands, die tollen Stände. der Kuchen selbst besteht aber aus einer ganzen Menge mehr: Organisation, Security, oftmals Schutzgebühren, Rivalitäten und vor allem Geld, viel Geld, leicht verdientes Geld für die Sponsoren. Dies seien aber Dinge, die die Festivalbesucher nicht wissen sollen und auch zum großen Teil nicht wissen wollen, denn sonst würde dem einen oder der anderen das Festival sicherlich ganz schön versaut. Daher würde für uns und für die Fragerin als potentielle Festivalbesucher gelten: "wenn es soweit ist, vergeßt, was ich gesagt habe!" How sweet to be an idiot??? Na, ob wir das so wollen???

2. Joolz habe erwähnt, daß sie mit anderen Künstlern zusammenlebt. Wer ist das, sind dies auch Schriftsteller? Wie ist das so?

Joolz erzählte, daß dies noch ein weiterer Schriftsteller (poet) wäre, der gerade in einer midlife-crisis stecke (horrible!), ein singer/songwriter (der Name Justin fiel nicht ;-) ), außerdem Warren Hogg, der mehr praktisch veranlagt sei und der manchmal wirklich Anspruch auf Schmerzensgeld hätte, vor allem wenn man wieder mal nachts um 4 ein wie auch immer geartetes Werk durchdiskutieren müsse... Warren grinste nur ;-)

Sie seien die Kerngruppe, obwohl oft auch andere einige Zeit bei ihnen wohnen würden. Sie seien so etwas wie eine Familie, wie sie auch in Stone baby durch Jamie, Lily und Mojo repräsentiert wird. Am allerwichtigsten für ihr Zusammenleben sei, daß sie sich versprochen hätten, immer ehrlich zu einander zu sein und nicht wie wohlwollende Freunde Dinge einfach gut finden werden - aus den edelsten Motiven! - um jemanden glücklich zu sehen. Hier knüpfte sie an die Frage aus Dortmund an. Dieser Punkt scheint also enorm wichtig zu sein und ihr sehr viel zu bedeuten - nachvollziehbar!

3. Wieviel von Joolz ist in Jamie und/oder Lily zu finden?

Eigentlich habe sie sich nur aufgeteilt, wobei Jamie den physischen Teil repräsentiere (hatte ich mir irgendwie schon gedacht, vor allem wegen dieser Geschichte mit den pinkfarbenen Haaren und den schwarzen Klamotten am Anfang von Jamie's Karriere ;-) ) und Lily eher den psychischen. Das ganze sei auch weniger ein Kriminalroman als eine Geschichte über die verschiedenen Aspekte und Arten von Liebe. Liebe zu freunden, Liebe zu Eltern, Liebe aber auch zu durchgeknallten Psychopathen, krankhafte Liebe, die dazu führt, dass Kinder missbraucht werden... und eine Geschichte über Erlösung (die imho aber eher marginal vorkommt).

4. Diese Frage bezog sich auf die zweite Geschichte: Under the bridge. Die genaue Fragestellung hab ich aber leider verpaßt.

Die Antwort jedenfalls war eine philosophische ;-) Betrachtung der Lebensweise von middle-class-teenagern, über ihren Wandel in der Zeit, darüber, daß das Verhalten bestimmt wird von zyklisch wechselnden Trends, an deren Ende immer eine Art Revolution steht: Disco und Glamour wurde abgelöst von Punk, politisches Engagement wurde abgelöst von absolutem Desinteresse für Politik (Joolz findet selbiges bedenklich, ist sich aber sicher, daß sich das auch wieder ändern wird, sprechen kann sie ohnehin was diese entwicklungen angeht nur für GB). Bei der 'working class'-Jugend, die in der Geschichte erwähnt wird, bleiben die Dinge eher gleich, sie ändern sich nicht so stark.
Das ganze erinnerte an etwas, das Justin mal erzählt hat auf einem Solokonzert (Hameln?) über verschiedene Musikstile und Revolutionen, die an ihrem Ende stehen und die auch dringend notwendig sind, damit wieder Neues entstehen kann.. da sieht man deutlich die Bestätigung für die gegenseitige Einflußnahme der beiden auf einander ;-)

Joolz meinte dann, daß wir wirklich nicht verpflichtet seien, noch weitere Fragen zu stellen... aber wir wollten nicht, daß sie schon geht, also wurde kurzerhand eine frage aus dem Ärmel geschüttelt,die uns noch ein wenig Zeit verschaffte:

5. Was hältst Du von den Teletubbies? ;-)

Joolz spielte mit, meinte sie findet sie wirklich beängstigend, vor allem findet sich beängstigend, daá ihre Nachbarin immer welche für ihre Enkel strickt und von Joolz erwartet, daß sie sie lobt ;-)

Auf den Einwand des Fragers hin, daß Wissenschaftler befürchten, Kinder lernten nicht mehr richtig sprechen, meinte sie nur, daß Wissenschaftler keine Ahnung von Kindern hätten, daß man sich nur mit ihnen befassen müsse und daß Kindergehirne vor allem noch viel flexibler und sozusagen 'multiprocessing-fähig' seien und durchaus zu trennen verstünden zwischen Fernsehen und sonstiger Umwelt. Er solle sich mal keine Sorgen machen ;-)

Okay, danach gab's dann wieder eine 'seriöse' Frage:

6. Sie hat vor 2 Jahren mal einen Teil aus ihrer Biographie vorgelesen, was denn damit geschehen sei und ob man diese einmal käuflich erwerben könne?

Ja, vielleicht mit 80 (oh Schreck ;-) ). Tja, man müsse halt einfach noch Geduld haben, sie hat zur Zeit viel zu wenig Zeit dafür, oder sie müsse sich wirklich aufteilen wie im Roman ;-) Der Roman selbst hätte eine ganze Menge an Recherchezeit benötigt und sie habe außerdem eine Verpflichtung für einen zweiten Roman, der im nächsten Jahr erscheinen soll (Corazon, schön, was zu freuen!). Die Verschiebung der Biographie-Veröffentlichung würde bestimmt auch ihre Mutter beunruhigen, die schon leicht verunsichert gewesen wäre - Britische Mittelklasse-Familien sind nicht begeistert davon, ihre Leben vor der Öffentlichkeit ausgebreitet zu sehen... ;-)

7. Und Joolz selbst - fragte die Fragerin von Frage 6 weiter - sei sie nicht auch beunruhigt, daß ihre Mum durch diese Biographie sehr viel erfahren könne über ihre Tochter, das ihr absolut unbekannt ist?

Klar, aber weniger aus Angst vor 'Strafe' - darüber sei sie hinaus - sondern aus einer Art Wunsch heraus, die Eltern zu 'beschützen' (auch dieser Gedanke findet sich in Stone Baby wieder) - und daß sie glaubt, daß dies häufig ein Grund ist, warum Kinder nicht mit ihren Eltern reden...

Damit war die Fragestunde nach etwa 40 Minuten dann doch zuende und Joolz schloß so, wie man es eigentlich von ihr kennt, nämlich mit einem Gedicht: Redemption.

So sollte es sein, wirklich schon. Und keine Angst - The Magic's still there!!

(c) AT, 06/00

(c) Photo by Paul Harrison

zurück zum Seitenanfang