Ihr habt sieben Konzerte zur Auswahl.

Außerdem gibt's ein Interview mit RSC aus dem KODEX, allerdings schon älter. Ich vermute, so um 1994.


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Red Sky Coven,Kaue, Gelsenkirchen, 15.01.1999

Endlich waren sie wieder da, Rev Hammer, Justin Sullivan, Joolz und Brett Selby, zusammen Red Sky Coven.

Die Kaue war bestuhlt, es war ausverkauft. Wir waren noch früh genug da, um einen Sitzplatz abzubekommen, so daß ich die ganze Zeit klasse sehen konnte. Die Bühne war bestückt mit verschiedenen Gitarren, einem Baß, rechts ein Holztisch mit einer Kerze, Getränken, einer Mundharmonica, irgendwelchem Zubehör für das Gitarrespielen und - am allerwichtigsten - denjenigen RSC-Mitgliedern, die grade nicht vor dem Mikro standen.

Den Anfang machte wie immer Joolz mit ihrem 'famous words': 'Welcome to Red Sky Coven. The show will be in two halfs...'
Sie hatte ein langes, schwarzes Kleid (!) an, die wieder dunklen Haare (mit hellen Strähnen) waren zu einem Zopf zusammengebunden, es steckten eine silberne Spange und eine rote Blume in ihnen - ach ja, und mit Glitter hat sie auch nicht gespart ;-). Sah insgesamt irgendwie spanisch aus, es fehlten nur noch die Kastagnetten....

Sie kündigte auf ihre übliche 'liebenswürdige' Weise den ersten Performer des Abends an - angeblich ausgewürfelt - Rev Hammer, der sich bestimmt nur ganz wenig auf den Arm genommen fühlte.. Schließlich kennt er Joolz schon länger ;-)

Wow, Rev hat abgenommen (na gut, dünn ist er immer noch nicht und das letzte Mal gesehen hab ich ihn auf einem Video von 1994), steht ihm echt gut - ob Kinder und/oder schwangere Frauen so stressig sind?? ;-) Der Mann kann ja echt klasse erzählen... er fing an, über folk music zu erzählen, über die fünf Dinge, die in folk music verarbeitet werden: love, sex, chocolate, keine Ahnung, vergessen und, tja, noch mehr sex ;-) Das erste Lied sei aber ohne chocolate, sozusagen folk light oder auch diet folk.. Keine Ahnung, wie es hieß. Das zweite hieß vermutlich Rosie, zumindest erzählte er vorher über die Bedeutung des Wortes rosy und daß es außerdem in England ein üblicher Vorname sei.. ich muß zugeben, ich bin nicht so der Rev-Hammer-Fan, zumindest nicht in musikalischer Hinsicht. Erzähltechnisch würde echt was fehlen, wäre er nicht dabei, songtechnisch.. aber das ist natürlich völlig subjektiv und überhaupt wäre RSC ohne Rev nicht RSC. Jetzt kam jedenfalls wieder einer von Revs besseren Momenten, eine Geschichte über Dartmoor, wo es einsam ist und wo die entflohenen Gefangenen der dortigen Strafanstalt nach spätestens einer Woche auf der Flucht zurückgekrochen kommen und verzweifelt um Wiederaufnahme bitten. Dorthin, erzählte Rev, sei er gezogen, hätte einen Monast lang nur Schafe gesehen (selbige zogen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Gig) - und dann enes Tages hätte er Besuch bekommen, von einem seltsamen alten Kauz (the ugliest man I've ever seen, with a wrinkled face like a nut and only one eye - in the middle of his forehead ;-) ), der über den Hügel kam und der ihn zu einer Party einladen wollte: there'll be food, there`ll be drinking, there`ll be fighting, there`ll be some wild sex.. alles natürlich nicht ganz so plump und einfach hintereinander... klar hatte Rev als Neufarmer an allem - bis auf das Kämpfen - sehr viel Interesse, vor allem an letzterem.. wenn man einen ganzen langen einsamen Monat nur mit Schafen zusammen war.. a man must do what a man must do ;-) Die Antwort auf die Frage, was er denn anziehen sollte, fand Rev dann allerdings weniger erbauend ;-)))
Nach dieser Geschichte bat Rev Justin und Brett Selby auf die Bühne; Justin am Keyboard, Brett am Baß. Sie spielten ein Stück von Peter Tosh, das mir irgendwie noch weniger gefallen hat als die ersten beiden, Stil: 70er Jahre Rockmusik, nee, nicht so mein Ding..

Danach kam Joolz, die sich zunächst mal über Weihnachten ausließ, wie seltsam das doch alles sei, kurze Vergleiche zwischen Deutschland und GB zog, bei denen good old Germany noch vergleichsweise glimpflich davonkam. Sie meinte, immer hätte man den Wunsch, Weihnachten gar nicht erst heimzufahren, sondern mit Freunden zusammen zu sein - und immer wieder würde es den Müttern gelingen, den Töchtern (oder Söhnen) ein schlechtes Gewissen zu machen, so daß sie doch kommen.. wie auch in dem Jahr, in dem sie sich gerade vor Weihnachten die Haare blau gefärbt hatte, weil sie ja eigentlich gar nicht heimfahren wollte... und ihre Mutter, 'a typical English middle-class woman', geschlagene fünf Tage ihre Haarfarbe mit keinem Wort erwähnte - ja nicht einmal das Wort `blau' in den Mund nahm ;-)

Danach zum Thema passend: The good king.

Anschließend - begleitet von Justin und Brett - Home (everyone has secrets, everyone wants to go home) und zum Schluß, ebenfalls musikalisch unterlegt (hatte was von Hawaii und aloha he, es fehlten nur noch die Baströckchen, gruselig!) curacon (Heart). Ja, Joolz & Justin waren über Weihnachten in Spanien ;-) Wo übrigens Weihnachten im Gegensatz zum restlichen Europa nicht so gefeiert wird, stattdessen wird am 6. Januar gefeiert und zwar so, daß die Kinder sich verkleiden dürfen und durch die Straßen ziehen, sehr viel schöner, hat den beiden jedenfalls sehr gut gefallen.

Als dritter im Bunde last but definitely not least dann Justin Sullivan, der direkt heftig mit einer klasse Version von Notice me eröffnete. Danach - mit Mundharmonica und dem Spruch, daß es mit Band ja irgendwie einfacher sei - Tales of the Road, auch sehr schön. Viel erzählt hat er nicht, dafür aber einen Song mehr gespielt als Rev bzw. Joolz, eigentlich eine ganz gute Aufteilung ;-). Er erzählte nur, daß er irgendwann mal auf der Suche nach Gott gewesen sei und mal kurze Zeit in einem Kloster gelebt hat. Der Gesang sei ja schön gewesen, aber das Problem sei, daß Musiker und Mönche einfach nicht zusammenpassen: Mönche stehen nun einmal sehr früh auf ;-)) Er sei irgendwann weggelaufen und es wäre ein Gefühl gewesen, so erleichternd und angenehm wie damals als er mit 12 die Schule geschwänzt hat... er rannte ans Meer und schrieb folgenden Song: Marry the sea. Zum Schluß vor der Pause eines meiner Lieblinge von der Strange Brotherhood: Long goodbye ("played it a lot recently with a certain band that shall remain nameless this evening, but it's fucking good" ;-))) )

Das Publikum war übrigens recht leise - bis auf die Herrschaften an der Bar; das war, während der Geschichten von Joolz insbesondere, schon etwas nervig ab und an. Um 21:45 h war jedenfalls erstmal Pause und wir konnten schwelgen, Leute treffen (ich kannte eine ganze Menge, erwartete und auch unerwartete) und bedauern, daß Part I schon vorbei war...

Weiter ging's um 22:10 h mit Joolz, die zunächst mal den Störenfrieden mitteilte, daß sie davon ausgehen müßten, daß ihre Sexgeschichten nicht nur von ihnen selbst, sondern vom gesamten Publikum und den Leuten auf der Bühne auch gehört würden... sie war gut drauf, solche Ermahnungen können auch in ganz anderem Ton vorgetragen werden.. Glück gehabt Jungs ;-)Sie kündigte dann auf ihre liebenswürdige Weise Rev Hammer an, als den Barry White of Folk Music ;-))

Er meinte, er würde jetzt ein Lied spielen, das von sex handeln würde, und nein, es würden keine Schafe darin vorkommen und ja, er habe es vor vielen Jahren geschrieben... ;-)

I wanna love you true könnte es geheißen haben. Dann erzählte er, daß er früher in der Schule gelernt hat, daß das Jahr 2000 eh nicht kommt, weil wir vorher alle bei einem Atomkrieg draufgehen würden und er daher auch nicht sparen müsse. Jetzt sei das Millenium zuende und sein Geld auch, dumm gelaufen... und wo er grade bei Geld sei und bei Millenium: die britische Regierung würde zum Jahrtausendwechsel Geld ohne Ende rauswerfen. Sie habe ein riesiges Museum errichten lassen, so groß wie 10 Fußballfelder und dort sollte eine Figur stehen als Symbol für Modern Mankind. Man kam also auf einen begehbaren Menschen - nur, welches Geschlecht sollte er haben? So haben sie sich für beides entschieden: eine Figur einer Frau mit riesigen Brüsten und - einem riesigen Penis ;-) Und in der Spitze desselben, er sei sich sicher, würde ein Restaurant angesiedelt sein: MacDonald's ;-)

Und weil dies alles Politiker geplant haben, die man auch noch gewählt habe, kam er auf Politiker zu sprechen, die immer nur dann abgesetzt werden, wenn sie heimlich sex haben und zwar mit irgendjemandem, der nicht ihre Ehefrau ist.... egal, was für einen Mist sie sonst zusammenregieren, abgesetzt würden sie immer nur deshalb! Nun ja, das brachte ihn dann direkt zu Bill Clinton und seinem trouble mit Monica Lewinski.... Er meinte, wenn Bill ihn gefragt hätte, hätte er ihm halt den Rat gegeben, es dem amerikanischen Volk zu gestehen, vor es hinzutreten und die Wahrheit zu sagen: ich, Bill Clinton, mächtigster Mann der Welt, President of the United States of America: like to wear women's clothes while masturbating ;-)))

Dann kam ein song 'about new beginnings': Time for moving on (hat er jedenfalls häufiger gesungen) und als letztes ein Song namens (Worse and Worse) Like the son of a goat, begleitet von Justin (Keyboard) und Brett (Baß). Letzterer hatte übrigens ein wirklich schmuckes Hemd an: hellbraun mit dunkelbraunen Drachen, sehr apart. Joolz: we call him Dragonboy ;-)

Nach diesem dramatischen Wechsel von Schafen zu Ziegen, durfte Joolz wieder erzählen.

Sie begann damit, daß sie von ihrem Preis erzählte, den sie für das erste Kapitel ihres - unvollendeten - Krimins Stone Baby gewonnen hat. Die erste von 562 Teilnehmern weltweit und abgedruckt in der Times, das ist doch mal was! Joolz sollte den Preis in Manchester entgegennehmen und außerdem noch an einigen Seminaren übers crime writing teilnehmen. Und sie hatte ein grundlegendes Problem, eins, das, wie sie meinte, zumindest jede Frau im Publikum nachvollziehen könne: was sollte sie nur anziehen?? ;-) Nun ja, im Endeffekt kaufte sie etwas bei Marks & Spencer, das ihrer Meinung nach 'middle class' aussah. Dennoch hatte sie während der Zeit der Seminare die ganze Zeit das Gefühl, man würde sie anstarren - sie hatte auch all ihren Schmuck und ihre Piercings nicht abgelegt, vielleicht war sogar was dran an dem Gefühl...

Sie fand es jedenfalls amüsant, zuzuhören, wie man das Krimischreiben lernt und wie man 'Verbrecher' interviewt.. für sie war die Schreiberei eher autobiographisch...

Bei der Preisverleihung dann saß sie hinter 2 'middle class women', die irgendwann anfingen, sich zu unterhalten: über sie! 'have you seen that strange-looking woman?' Die eine jedenfalls vermutete, Joolz sei eine Delegierte aus Amerika - ausgerechnet! Die andere vermutete eher, sie sei eine von den 'criminals'. Joolz kochte, war aber nicht bereit, sich einzumischen, aber als sie zur Preisverleihung an den beiden hocherhobenen Hauptes vorbeischritt, war es ihr eine Genugtuung ;-) sweet, sweet memory...

Sie las nicht, wie ich erwartete, einen Teil aus Stone Baby (bei Interesse kann ich euch den in der Times veröffentlichten Text auch zumailen), sondern Gun, auch eindrucksvoll und auch zum Thema crime. Weiter ging's mit Anger and Fear (dance a strange waltz.. you are not the only one... kannte ich vorher noch nicht), begleitet von Brett und Justin.

Justin blieb auch gleich und spielte One bullet, genial. Leider (?) meines Wissens außer auf bootlegs nicht veröffentlicht: do you keep one bullet left for yourself for when it's all over and done. Dann erzählte er vom 'Snellsmore Wood', der leider nicht mehr ist, sondern nur war und zwar in der Nähe von Newbury: 'now it's a road'. Das war diese Klamotte vor drei Jahren, mit dem road protest movement, bei der Justin sein Haar ließ... es folgte natürlich auch Snelsmore wood, mit einer Intensität, Wahnsinn, ich bin immer wieder begeistert, wie sehr Justin sein Herz in seine songs zu legen scheint... Dann erzählte er, wie schon in Hameln auf seiner Solo-Tour im Sommer letzten Jahres, daß er die songs am liebsten mag, die sich von selber schreiben: man trifft jemanden, dieser erzählt etwas Interessantes und der song ist in fünf Minuten zuhause runtergeschrieben. Das folgende Lied war jedenfalls: Aimless desire, begleitet von Brett. Die dritte Strophe war im ersten Teil übrigens anders als sonst.. hat jemand sich den Text gemerkt?

Als letztes kam Masterrace, wo Justin uns vorher extra zum Mitsingen aufgefordert hat, klasse!! Justin wandte auch seine Deutschkenntnisse (Joolz hatte vorher schon Erfolg mit Fruhstück, Kloisterfrau, Gummibusenhalter, Eichhörnchen und Gerüstbau ;-) ) an und ersetzte mal eben bastard durch scheiße...

Tja und das war's dann, natürlich gab's aber noch Zugaben, allerdings leider nur zwei. Sie kamen beim ersten Mal wieder - Joolz mit offenen Haaren und einem 'shaky thing' , einer Art Rassel mit einem Totenkopf als Abschluß und forderten uns zum Aufstehen und mitsingen auf, was auch alle direkt und freudig befolgten: 'es wird euch vielleicht komisch vorkommen aber wenn ihr nicht mitsingt und alle anderen es tun, sieht das noch viel komischer aus ;-)'

Erste Zugabe war jedenfalls irgendein song aus dem Blues Brothers Soundtrack, dessen Namen ich allerdings nicht weiß (hidihidihidiho - ...). Die erste Strophe sang - oh Wunder - Joolz! Die zweite dann Rev, der auch diesen hidiho-Part während des ganzen Songs übernahm. Die dritte dann Justin und die vierte Joolz und Rev im Wechsel, echt witzig!

Die zweite Zugabe war your love will lift me higher, keine Ahnung, wie dieses Lied richtig heißt. Hörte sich an wie späte 70er, gesungen von Justin und Rev im Zwiegespräch. Leider war's dann um 23:20 h schon wieder vorbei, eigentlich recht kurz im Vergleich, in jedem Falle viel zu schnell...

Daher auch am 22.01. nochmal ;-)))

(c) bat, 1999

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Red Sky Coven, Altro Mondo, Hannover, 22.01.1999

Ich war gespannt, das Altro Mondo sollte so ein Schicki-Micki-Laden sein, eigentlich eher unpassend für RSC und ihre Fans... der Laden war wirklich sehr hübsch aufgemacht, hat mir gut gefallen - mit dem passenden Publikum und das war ja da ;-)). Hinter der Bühne, die mindestens genauso groß war wie die in der Kaue, ein dunkelroter Samtvorhang, der Tisch, den die Herrschaften zur Verfügung hatten, hatte ebenfalls eine dunkelrote Decke (war dafür aber winzigklein ;-)), Kerzen - auch dunkelrot - standen nicht nur auf dem Tisch, sondern auch noch seitlich an beiden Seiten der Bühne. Sah echt edel aus. Der vordere Teil des Altro Mondo war ebenfalls bestuhlt, hinter dem Teil mit den Stühlen war eine Art Balkon, etwas höher und auch dieser Balkon war nochmal verschieden hoch durch verschiedene Stufen, so daß man auch von hinten und seitlich gut gesehen hat. Diesmal waren wir doch ziemlich spät dran, zumal wir dachten und man uns auch gesagt hatte, daß es erst gegen 21:00 h losgehen würde.... wir waren um etwa 20 nach acht dort, zum Glück hatte Henning - nochmal vielen Dank - unsere Karten schon bezahlt, so daß wir zumindest noch reinkamen. Auch hier war es sicher ausverkauft, jedenfalls war es rappelvoll. Leider hatten sie schon um 20:15 h angefangen, aber wir haben nur Joolz' Begrüßung und den ersten Teil von Revs erstem Song verpaßt. Er spielte im übrigen 4 und nicht nur 3 wie in Gelsenkirchen. Der zweite handelte irgendwie von den Jahreszeiten (jack o' the spring?). Er erwähnte gleich, daß jemand vorn doch ziemlich heftiges Dope rauchen würde, er sei nur vom Riechen schon high ;-)

Interessant waren seine Geschichten, die doch einen gewissen Zuwachs an Details hatten... wie Lügengeschichten oder Seemannsgarn, je öfter man sie erzählt, desto phantastischer werden sie... jedenfalls hatte der Schäfer hier auch noch langes graues Haar, daß bis zu seinem Gürtel reichte, aber auf dem Kopf selber hatte er keins, nur hinten... ;-)

Joolz stieg ebenfalls sofort auf diese Dope-Geschichte ein, erzählte superwitzig von Leuten, die zuviel geraucht hätten, daß sie Teetassen wunderschön fänden und seltsame Dinge malen würden, die sie dann auch noch toll fänden... ihre Freunde würden bei solchen Anlässen immer sagen: ups, hast Du wieder geraucht??? ;-) Sie meinte, ihr Hirn sei ohnehin schon so, wie das anderer Leute, wenn sie high wären, von daher wäre das für sie alles gar keine so gute Idee, außerdem wäre sie schon high, wenn sie nur ein Glas wein trinken würde ;-) Und sie sei ohnehin schon ein schwieriger Mensch zum zusammenleben, man stelle sie sich dann nur noch unter dem Einfluß von Kokain vor. Nein, lieber nicht ;-) Dann meinte sie, sie habe, weil sie damals eben arm war und Geld gebraucht habe, Backpulver oder wer weiß was an Studenten als Drogen verkauft, auch Acid habe sie aus Smarties oder Traubenzucker oder ich weiß nicht mehr hergestellt... und die Leute haben echt tolle Trips gehabt ;-))))) Eigentlich sei sie fast sowas wie ein Engel der Barmherzigkeit ;-))) Tja, irgendwie wollte sie dann die Kurve bekommen zu Weihnachten und der ersten Geschichte, was sich aber als etwas schwierig erwies, wer weiß, vielleicht hat der Geruch dieses Joints ja schon ausgereicht ;-))) Sie erzählte, daß sie versuchen würden, in jeder Stadt, in der sie auftreten, ein wenig spazieren zu gehen. Sie seien auch in einer Kirche in Osnabrück gewesen - sie mag Kirchen - und seien den Mittelgang heruntergelaufen auf einen echt fertig aussehenden Mann zu, der an einem Kreuz hing, gruselig und blutüberströmt... wenn sie ein Kind gewesen wäre, wäre sie sicher schreiend wieder rausgelaufen...soviel zu ihrer Einstellung zum Christentum und es war noch sehr gemäßigt dieses Mal ;-) Dann erzählte sie, daß dort auch eine Krippenszene stand, wirklich hübsch anzusehen, mit lebensgroßen Figuren... seltsam war nur, daß die Schäfer alle Bayerntrachten trugen ;-))) Und das Jesuskind: es war gigantisch, riesig groß... kein Wunder, daß die 'Jungfrau' Maria immer so leidend aussehe ;-))) Das Ganze hat sie dann noch fröhlich ausgeschmückt und meinte nur, wenn sie die Mutter von Gott wäre, sie würde nicht leidend aussehen, sondern stolz in der Gegend herumlaufen, Queen of Heaven, strike, girlpower .. ;-) Naja, aber bei der Größe des Jesuskindes.. habe es bei der Geburt sicher nicht einfach mal so eben Plopp gemacht ;-)) Tja und dann hat sie doch noch die Kurve zu Weihnachten bekommen und ist bei der Sache mit Spanien wieder eingestiegen. Die blauen Haare und das schuldbewußte doch-noch-heimfahren fehlten hier. Der Rest war ähnlich wie in Gelsenkirchen. Justin in der ersten Hälfte war genauso wie in Gelsenkirchen. Auch Brett hatte übrigens wieder dieses hübsche Hemd an ;-)

Dann der zweite Teil und Rev Hammer. Er spielte einen song mehr als in Gelsenkirchen, einen wirklich genialen: irgendwas mit Man on the green oder sowas, über Poeten, die ihre Heimatstädte verlassen müssen und erst in der Fremde sowas wie Ruhm erwerben können. Ein irisches Traditional, nur akustisch, ohne Gitarrenuntermalung, irre, echt toll, verursachte Gänsehaut!

Die England-Museums-Geschichte blieb die gleiche, aber die Bill-Clinton- Geschichte war doch einen guten Teil weiter ausgebaut: Bill rief ihn diesmal in seiner Sheperd's cottage an und wollte ihm seine Probleme erzählen, aber nicht am Telefon. Also hat er ihn eingeladen und Bill kam vorbei, mit fünfzig FBI-Agenten... und hatte mit jedem der 1000 Schafe, die vor Rev's Haus standen, Sex... tja und dann waren sie alle bei ihm in der Hütte und es war ziemlich eng: Bill, Rev, 50 FBI-Agenten und ein paar 'fucked sheep' ;-) Die Geschichte war witzig, aber witzig war auch der Unterschied zu Gelsenkirchen ;-)
Danach dann Joolz, die wohl immernoch von diesem Dope angetan war oder wie auch immer, jedenfalls griff sie die Schafe auf und meinte, irgendjemand habe mal behauptet, unter Tieren gäbe es keine Verbrecher. Sie widersprach und meinte: Wespen seien die Verbrecher schlechthin, Gott habe sie erfunden, als er grade Langeweile hatte, um die Menschen zu ärgern, die bei schönem Wetter Picknick machten.. sie würden sogar wie Verbrecher aussehen ;-))) Dann erwähnte sie noch ihre Katze, auch ein Verbrecher - die Geschichte ist übrigens auch auf der CD - der verschwand und gerade da, wo sie ihn aufgegeben hatte und überall im Haus schwarzgeränderte Bilder verteilt hatte, wieder aufgetaucht ist. Von dort gelangte sie irgendwie zu Enten, diesen dummen Dingern mit den seltsamen Gummifüßen und von besonderen Enten auf einem bestimmten Teich, die fett gewesen wären aber nicht 'normal' fett, sondern 'really weird'.... und zu zwei Omas, die auf einer Parkbank saßen und diese komischen Enten fütterten... und von da ging's weiter zur weltweiten Großmutter-Mafia ;-) Joolz meinte, Omas sähen überall auf der Welt gleich aus, nicht nur in Deutschland oder in England hätten sie diese merkwürdigen Großmutter-Hüte auf und diese Mäntel in 'no- colour colour', sondern sie sähen auch in Spanien und überall woanders so aus ;-) Sie jedenfalls wäre - weil auch ihre Zeit ja nicht mehr so fern wäre, eine alte Frau zu sein - in allen möglichen Geschäften gewesen, Karstadt, C&A, wo auch immer, um diesen Großmutterhut zu erstehen, aber es gibt ihn nicht!! Was sie zu ihrer Theorie über die Großmutter-Mafia brachte. Irgendwann, wenn man, z. B. 65 geworden sei, würde man einen Brief im Briefkasten finden mit einer Einladung z. B. in den Schwarzwald.. und dort würden dann auf einer Lichtung ganz viele Großmütter sitzen, vorne ein Tribunal von ältesten Großmüttern und alle würden rufen 'grandma, grandma'.. und hier mußte sie selber so lachen, daß sie erstmal eine ganze Weile nicht weiterkam ;-)) Wir lachten uns schon seit einer Weile ziemlich schlapp, echt, wehe, wenn sie losgelassen, die Frau war wirklich klasse hier!!! Scheinbar mußten sie erst noch warmlaufen, Gelsenkirchen war wohl noch zum üben! ;-)

Und dann jedenfalls wäre er da, der Großmutter-Hut, auf einem samtroten Kissen, einer der insgesamt fünf, die verliehen würden, immer dann wieder, wenn eine der Großmütter gestorben wäre ;-)))

Von da ging's zurück zu den beiden Omas am See mit den komischen Enten, die sie nämlich nicht mit Brot, sondern mit 'Apfelkuken mit Schlagsahne' (sie kann gar nicht so wenig deutsch, 'schwarzewald' hat sie auch deutsch gesagt ;-))) ) gefüttert hatten. Tja und von dort kam sie dann irgendwie, ich weiß nur nicht mehr wie, auf die Preisverleihung und ihr 'Stone Baby'. Die ganzen Geschichten aus Gelsenkirchen mit den beiden Frauen, den Klamotten etc. hat sie hier allerdings nicht erzählt. Die Sache mit den Enten ist glaub ich auch auf der CD, die mit den Großmüttern aber nicht, echt genial!!

Dann kam Justin, auch hier leichte Änderungen. Die Geschichte mit Snellsmore wood hat er hier etwas ausführlicher erzählt, auch nochmal die 6 Monate und die immensen Summen, die es die Regierung gekostet hat, diese Straße zu bauen: we lost the battle but we won the war: denn jetzt ist kein Geld mehr in den Kassen zum Straßenbauen! Vielleicht erzählte er auch nur so lange, weil er so lange seine Gitarre stimmen mußte? egal, gut war's! Nach Snellsmore wood gab's dann eine Änderung. Er spielte Lurhrstaap, einen Song über Germany (den Mauerfall), den ich nie richtig schreibe... danach einen 'lovesong': Eleven years. Kein Aimless desire. Zum Schluß erzählte er hier, daß sie ja auf der Army-tour wieder 51st state gespielt hätten und daß irgendwann mal jemand gemeint habe, daß das Lied doch ziemlich alt und nicht mehr aktuell sei, aber dann habe Clinton beschlossen, Irak zu bombadieren und Blair habe freudig hurra geschrieen und mitgemischt. Und spätestens da wäre ihnen bewußt geworden, wie aktuell dieser song doch immernoch ist. Dennoch hier ein andere zu einem ähnlichen Thema: Masterrace.

Erste Zugabe auch hier Minnie the Moocher. Auch hier der Hinweis, daß man ja jetzt vielleicht mal aufstehen, mitsingen und tanzen könnte... Aber eben nur könnte. Mitgesungen haben sie ja, die Hannoveraner, aber aufgestanden sind sie nicht, sehr seltsam, wirklich. Bei der zweiten Zugabe hat Joolz es dann noch etwas direkter ausgedrückt, und endlich haben sie es begriffen!! ;-) Die zweite Zugabe, meinte Joolz, sei ein traditionelles Folk-Lied und wir sollten doch alle mitsingen, sofern wir den Text kennen würden: aber nicht wie in Gelsenkirchen sangen sie dieses your love.. sondern, verflixt, muß ich nachreichen.. irgendwas aus den Charts, so rappmäßig, sorry, ich werde alt. War echt witzig, nur sehr seltsam für RSC ;-)))

Alles in allem war gegen kurz nach 11 Schluß, es war länger als in Gelsenkirchen und ich meine auch besser, weil die Geschichten einfach genial waren! Der Veranstaltungsort war auch ganz hübsch, die Bühne stand RSC echt gut, aber die Leute waren doch gegen Ende etwas träge, das fand ich in Gelsenkirchen wieder besser. Insgesamt fand ich es doch sehr interessant, wie sehr sich Geschichten verändern können und wie sehr sie mit dem Publikum - hier mit dem Joint ;-) - interagieren. War zwar etwas irre, da runterzuheizen, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt ;-)

(c) bat, 1999

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Red Sky Coven, Kaue, Gelsenkirchen, 27.01.2001

Um 20:10 h betraten Joolz, Brett. Selby, Justin Sullivan und Rev Hammer die Bühne; überraschte Gesichter, ebenso überraschtes Lachen beim Anblick von Justin: gerade ist 'seine' Band 20 geworden, da kehrt er zurück zu der Frisur aus Anfangstagen, dem 'Iro' ;-) Er sah fast so aus wie auf dem Inlay zur Vengeance. Wer weiß, vielleicht hat er beschlossen, mit seinen Frisuren einfach wieder von vorn zu beginnen.. dann wäre das nächste wieder eine Langhaarfrisur ;-)

Die anderen nahmen rechts am Tisch Platz, während Joolz - mit Jeans, T-shirt und Pferdeschwanz - wie immer als erste ans Mikro trat um uns a) aufzufordern, alle Handys und sonstigen technischen Geräte auszuschalten, uns b) zu erklären, was nun - in English - passieren wird (the show will be in two halfs...) und um uns c) wortreich und dergestalt, daß der Betreffende wieder mal die ände über dem Kopf zusammenschlug, den ersten Künstler des Abends anzukündigen, the Frank Sinatra of Folk Music: Reeeev Hammer.

Rev, schwarze Hose, schwarzes Glitterhemd, noch schlanker als vor 2 Jahren, mittlerweile ja auch Vater zweier Kinder ;-) , begann mit 2 Songs, die ich bereits kannte: Drunkards Waltz, ein Liebeslied, das sich mit einer großen schlanken, vollbusigen, langhaarigen blonden Schönheit und mit einem versoffenen Folksänger beschäftigt. Uns blieb es überlassen, zu raten, wer von beiden Rev wohl ist ;-)

Dann erzählte er von Devon, wo er nun wohnt, von den Schafen dort, die ja vor 2 Jahren noch eine wichtige Rolle in der Show und in seinem Leben gespielt haben. Mittlerweile hat er diese Phase durch geduldige Hilfe eines Therapeuten aber überwunden - sagt er. Der Song, in dem eben keine Schafe vorkommen, war Ole Welsh soul. Dann, endlich, die erste seiner berüchtigten Geschichten - der Weg ist das Ziel, erinnert euch ;-) - die natürlich auch in Devon spielt: Ein Farmer hat eine preisgekrönte Kuh, wunderschön geformte Beine, groß dunkelbraune Augen, lange schwarze Wimpern, eine wahrhaftige Schönheit. Eines Morgens jedoch kommt die Farmersfrau herunter und findet die Kuh tot vor! Entsetzlich!

Sie kann nicht anders, holt das Gewehr und erschießt sich, so daß ihr Körper neben der Kuh tot zu Boden sinkt. Wenig später findet der Farmer seine geliebte Kuh tot, daneben den leblosen Körper seiner Frau. Was zu viel ist, ist zu viel: auch er erschießt sich. Und nein, die Story hat, wie bei Rev üblich, noch lange kein Ende: der älteste Sohn sieht das Desaster, aber, um dem ganzen mal eine neue Richtung zu geben, beschließt er, sich nicht zu erschießen, sondern sich im nahegelegenen Teich zu ertränken.

Kaum in den Fluten, taucht eine Meerjungfrau auf (da fragt sich der geneigte Zuhörer: was macht eine Meerjungfrau bloß in einem Teich, weit abgelegen von jedem sich bietenden Meer?? ;-) ). Das Wort versucht er dann auch gleich auf deutsch auszusprechen, sehr begabt, obwohl er meint, er habe 8 gigs dafür benötigt, es einigermaßen hinzubekommen ;-). Joolz meinte schon am Anfang, die neu gelernten Worte auf deutsch würden durch die Show wandern und hier und da mal auftauchen, so geschehen ;-)

Revs Stimme rutschte dann auch ein paar Oktaven höher, als er als Meerjungfrau dem ersten Bruder den Vorschlag macht, die Familie zurückzuholen - wenn er denn bereit ist, 5 x mit der Meerjungfrau Sex zu haben. Sohnemann ist natürlich einverstanden - leider macht sein Herz nicht mit, es versagt bei Akt Nr. 3. So ein Pech. Daher: Sohn Nr. zwei, gleiche Geschichte, nur wird unsere Meerjungfrau etwas gieriger, klar, es ist ja auch einer mehr, der tot ist: sie will 10 Mal Sex. Leider kommt auch Sohn Nr. 2 nicht bis zum Ende, wenn sein Herz auch bis zum achten Mal durchhält. Aber knapp vorbei ist auch daneben, weshalb auch Sohn Nr. 3 noch mit der Meerjungfrau die Details der Wiederbelebung besprechen muß - sie will 15 mal, er will 20 (oh, eine Wendung! ;-) ), oder noch besser 30 mal.. aber - plötzlich hält er inne - woher soll ich denn wissen, daß Du nicht mittendrin schlappmachst - wie die Kuh.... fragt er.

Tja, wie gesagt: der Weg ist das Ziel ;-)

Danach ein Lied, das ich noch nicht kannte, das mir aber sogar gefallen hat - eigentlich sind Rev's songs ja nicht so mein Ding: 'the thief and the fisherman's daughter (vermute ich mal)'. Das letzte Lied wurde unterstützt von Brett Selby - schwarze Hose, schwarzes T-shirt mit irgendeinem Bildchen vorn - an der bass guitar: Paling of the moon.

Auf Rev folgte, wie immer, Joolz, die wieder zurückkam auf die Handys: Was haben wir nur früher gemacht ohne diese Dinger? Das Leben war ruhig, langsam, bedächtig.. lang ist's her. Am faszinierendsten findet sie an Handys, daß deren Besitzer vergessen, daß sie nicht alleine sind, wenn sie damit telefonieren: private Dinge werden lauthals in der Öffentlichkeit ausdiskutiert - für sie als Schriftstellerin und gerade in einer Stadt wie Bradford, in der nichts bis gar nichts passiert, ist dies oft genug ein Grund, im Bus ein paar Haltestellen weiter zu fahren, um das Ende eines solchen Gesprächs mitzubekommen ;-).

Eine weitere Geschichte hierzu fiel ihr ein, die uns erstmal zum Glastonbury-Festival führte, in einem der seltenen Jahre, in denen es mal nicht wie aus Kübeln gegossen hat - deshalb erinnert sie sich auch noch so deutlich an dieses Festival...

Sie erzählte von einer ihrer Bekannten, Dicken (?), die sie dort getroffen hat. Dicken ist wirklich sehr nett, wie sie sagt, aber (Pause), sie ist HIPPIE! Wer Joolz schon mal über Hippies hat erzählen hören, weiß, was nun folgte, es war genial: Dope, Espandrillos, Fransen, seltsames Parfüm, das dafür sorgt, daß man Hippies schon von weitem riecht, die Mutterlosigkeit von Hippies (sie wachsen auf Festivals aus dem Schlamm ;-) Es muß so sein, sonst wüßten sie nämlich, daß man mit Parfüm etwas sparsamer umgeht.. ;-)), es war göttlich ;-). In jedem Fall hat diese Dicken halt manchmal das Bedürfnis, Joolz, Justin, Warren, Rev, Brett und wen immer sie sonst noch erwischen kann, in ihre Hippie-Anwandlungen hineinzuziehen. Warren sei übrigens trotz der langen blonden Haare nicht die Person aus Revs erstem Song... ;-) .

So auch diesmal. Sie wollen nie, aber Dicken hat irgendeinen Trick - geheime Hippie-Magie, Raum-Zeit-Falten, wer weiß? Daß sie sich genau dort wiederfinden, wo Dicken sie haben will: never underestimate a hippie ;-). Diesmal ging's jedenfalls darum, einen tollen Baum zu umarmen... ;-). Und trotz der anfänglichen Proteste fanden sich Joolz und Co. beim Tree Hugging wieder... und fanden es erstaunlich, ruhig, entspannend, friedlich... bis Warrens Handy in einer Wahnsinnslautstärke anfing zu klingeln. Alle, Baum eingeschlossen, waren kurz vor einem Herzinfarkt! Und es war - Warrens Mutter, die irgendwie gerochen hat, daß ihr Sohn auf dem Weg zum 'Hippietum' war. Nein, Mum, ich tu grade nichts bestimmtes, sagte Warren, während um ihn rum alle grinsten und 'tree hugger, tree hugger' wisperten ;-) . Tja, manchmal können Handys also auch Leben retten ;-))).

Die erste Geschichte, die Joolz vorlas, war 'Under the bridge'. Danach bat sie Justin an den Synthesizer. Sie erzählte als Einleitung zur nächsten Geschichte, daß Justin ein Studio im Rotlichtviertel von Bradford hat, klar, Miete ist dort halt ziemlich billig. Anfangs waren sie geschockt von den Mädchen, die dort auf der Straße standen, vor allem, wenn sie noch so jung waren, 14 oder noch jünger. Aber, wie so oft, gewöhnt man sich an den Anblick, bis man ihn fast gar nicht mehr wahrnimmt. Das war wohl auch Tenor der folgenden eschichte, die sie geschrieben hat, als sie irgendwann, nachts um vier, dort ein junges Mädchen gesehen hat, das unter einer Straßenlaterne 'hopscotch' (sie erläuterte: Himmel und Hölle) spielte. Ob die Geschichte nun Shell(ey) hieß wie das Mädchen, oder wie das Spiel, oder 1,2,3, so wie es anfing, weiß ich nicht. Es ging jedenfalls genau um ein solches junges Mädchen, das nachts auf seinen Stiefvater wartet und währenddessen - 1,2,3, - Himmel und Hölle spielt. Sie denkt über ihre Vergangenheit nach, über - 4, 5,6 - ihren richtigen Vater, über ihr 'Mischlings'-Äußeres, über ihr Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater Dave. Sie wird übrigens sehr ähnlich beschrieben wie Lily in Joolz' Buch Stone Baby. Sie läuft jedenfalls dem Auto ihres Stiefvaters entgegen - 7,8,9 - als er endlich auftaucht. Dieser aber, nachdem er gesehen hat, wie wenig sie verdient hat, schickt sie - 10 - wieder auf die Straße und das Spiel beginnt von vorn... she doesn't care, she's used to it. Wenn die Einleitung nicht gewesen wäre, wäre erst hier klar geworden, was ihr 'Dad Dave' ist und warum sie mitten in der Nacht auf ihn wartet. Eine neue Geschichte übrigens.

Danach folgte Justin: Family Life (How did they do this to you ), anschließend an Joolz' Geschichte. Danach - ich liebe es! - Changing of the light. Justin sah übrigens irgendwie merkwürdig aus mit seinem Iro, den diversen Silberschmuckteilen und dem schwarzen Anzug, ein ziemlich krasser Gegensatz. Er wirkte sehr ernst und irgendwie aggressiv oder genervt? Er ist ohnehin niemand der wie Joolz oder Rev irgendwelche Witzchen macht, er ist eher der ernste, wütende, was ja auch den Reiz von RSC ausmacht, daß die Charaktere so unterschiedlich sind oder doch auftreten und doch so gute Freunde sind. Heute aber wirkte er besonders wütend und kompromißlos. Oder?

Danach erzählte er ein wenig über seine Erkenntnisse über die deutsche Politik, insbesondere über Joschka Fischer und daß politisches Engagement wichtig für jeden einzelnen ist: Snelsmore Wood. Ebenfalls politisch ging's weiter, er redete über da 'europäische Problem', daß vielerorts scheinbar eine kleine Stimme flüstere: 'there's too many foreign people' und daß Europa, vor allem, wenn man einmal im Flughafen hinter die Kulissen gesehen hat und Familie nebe Familie sieht, die einreisen will aber nicht darf, immer mehr wie eine Festung wirkt: Fortress Europe. Wollen wir wirklich in einer Festung leben, die Mauer aus Berlin um uns herum neu errichten?

Higher Wall.

Danach erzählte er, daß er einmal songs über das Meer geschrieben hat, genug für eine ganze Platte, die er aber niemals aufnehmen wird. Dafür gibt's bei jedem RSC- oder Solo-Gig ein neues Lied aus dieser Kollektion; diesmal gab's mit Unterstützung von Brett und Rev Twilight Home. Hat mich offen gesagt beim ersten Hören nicht so sehr begeistert.

Dann war es 21:40 h und es gab 15 Minuten 'Erholungspause'.

Pünktlich um 21:55 h ging's weiter. Joolz erzählte von zwei Leuten, die zwischendrin Amerkungen hatten: ihr eigenes Handy - natürlich hat auch sie eins - spielt als Melodie Vengeance, hat Justin ihr programmiert, sei doch wahrhaft romantisch ;-).

Und jemand hat sich beschwert, daß es ja wohl nicht ginge, Rev mit Sinatra zu vergleichen, schließlich sei letzterer tot und überhaupt. Also machte Joolz die Ansage nun noch einmal neu: Ladies and Gentlemen, the Ricky Martín of Folk Music: Rev Hammer. Rev's Kommentar: Friends - who needs them? ;-).

Und: er wolle nicht Ricky Martín sein, dann schon lieber David Hasselhoff.. hatten wir das nicht erst beim letzten Mal? ;-).

Das erste seiner Lieder ging zunächst mal um eine Hochzeit, Titel: unbekannt. Vielleicht ja wirklich: The wedding. Dann erzählte Rev von seinen Kindern, insbesondere seinem dreijährigen Sohn, der zur Zeit als liebstes: warum? fragt. Im übrigen macht er sich Sorgen um die deutsche Bevölkerung.. wann immer er auch fragt, ob Leute aus dem Publikum Kinder haben.. es sind höchstens ein oder zwei.. wo soll das hinführen? ;-).

Zurück zum fragenden Kind: es fragt so zum Beispiel, warum Rev denn sein Vater ist und was diverse Tiere denn so fressen, unter anderem Kühe.

Selbige haben scheinbar die Rolle der Schafe eingenommen auf dieser Tour.. Grass, antwortet Rev, was sonst? ;-)

Eines Tages kommt er heim, völlig gestreßt von einem anstrengenden Tag im Studio, und will sich mit Hilfe des Inhaltes seiner 'geheimen Blechdose' entspannen. Er stellt jedoch zu seinem Entsetzen fest, daß die Dose leer ist.. schon? Ups. Da kommt ihm ein Verdacht und er ruft nach seinem Sohn. Kinder in diesem Alter können nämlich eines nicht: lügen. "Sohn, weißt Du, was mit den Blättern in dieser Dose passiert ist, hast Du sie genommen?" "Ach das Gras?" Entgegnet Sohnemann. "Ja, das hab ich an die Kuh verfüttert." Schade ;-)))

Rev zufolge war nämlich dies und nichts anderes der Beginn der 'mad cow disease' ;-) Die Kuh hat ihre Verrücktheit (Strohhut, Sonnenbrille, Reggae) dann übrigens an eine andere 'blöde Kuh' weitergegeben: Maggie Thatcher, wie sollte es auch anders sein? ;-)

Danach bat er - recht unhöflich - Brett und Justin auf die Bühne, die ihn schlichtweg ignorierten, bis er höflicher wurde und ihre vielfältigen Talente lobte: 'Künstler halt'. Danach machte Justin dann - versehentlich? - sehr häßliche Töne auf dem Synth, was Rev mit dem Kommentar quittierte: 'Hab ich 'begabt' gesagt?' Brett lachte sich schlapp, Justin spielte ein Jingle, was Brett noch mehr zum Lachen brachte und Rev äußerte Bedenken, ob es ihnen denn wohl noch gelingen würde, den folgenden Song anzufangen, geschweige denn zuende zu bringen... Aber es gelang: Jack o' Green, der heidnische Name des Frühlings(geistes), der Jack Frost vertreibt.

Danach spielte er mit Brett 'Spanish Lullaby', geschrieben in Marokko, aber in Erdkunde war er noch nie so gut ;-). Mittendrin hörte er auf, erzählte, er wolle eigntlich gerne eine Band und suche noch weitere Mitstreiter. In Osnabrück hätte er schon jemanden gefunden, eine Frau natürlich, die nackt bei ihm Flöte spielen wollte. Und jetzt suche er halt noch ein paar mehr. Spot auf das Publikum und Befragung desselben: if you would join my band, what would you like to play? Am besten war der Typ, der Digeridoo spielen wollte, aber _nicht_ nackt.. das 'Nicht' hat Joolz dann später in ihrer Zusammenfassung komplett ignoriert ;-).

Danach gab's noch einen Song mit Publikumsbeteiligung: clapping in time mit 'clap-meister' Justin und vorherigem 'are you ready'?. Wie der song hieß, kann ich nur raten: Why don't you take it easy?

Dann war wieder Joolz an der Reihe, die in dieser Runde ältere Sachen vorlesen wollte: mit Brett's Unterstützung begann sie mit 'Ambition', sehr schön und atmosphärisch. Danach philosophierte sie über ihre Karriere und darüber, daß sie mit 16 zum ersten Mal auf einer Bühne stand. Und jetzt sei sie alt, man könnte sich das gar nicht vorstellen, wenn man 16 oder 18 ist, aber man verwandelt sich in seine Eltern eh man sich's versieht - Joolz in ihren Vater, weil sie sich soooo angestrengt hatte nicht wie ihre Mutter zu werden und bei diesen Bemühungen ihren Vater irgendwie vergessen hat ;-).

Zurück zu den Auftritten: Am Anfang ihrer Karriere wurde sie mal zum Brighton Literature Festival eingeladen, wow. War natürlich toll für sie, dort zu Beginn ihrer Karriere als opening act aufzutreten, in solch einer upper-class-Gegend... Sie waren mit dem Auto unterwegs, waren spät dran, so daß sie sich im Auto umziehen mußte - damals aber war das nicht so einfach, wie es vielleicht jetzt gewesen wäre, damals war sie die 'Queen of Goth', der 'Übergrufti', wie sie selbst sagte und das machte das Umziehen im Auto nicht gerade leicht ;-) Naja, irgendwann war der lange, enge Rock, das Mieder, die großen, spitzen Stiletto-Boots dann angezogen, die Haare toupiert, das schwarz/weiß/rote Make-up aufgetragen, uff. Sie kamen an und Joolz hatte keine Zeit mehr, sollte direkt auf die Bühne, was sie ganz gelassen mit dem Ausspruch: no problem, I'm a professional artist' kommentierte. Fehler! ;-) Der Veranstalter war erleichtert, hatte er doch den Lord Mayor of Brighton nebst Gattin und diverser Anhänge in den ersten Reihen der mit ca. 300 Personen gefüllten Veranstaltungshalle sitzen. Sie ist dann direkt auf die 'Treppe' zu, mußte aber, als sie mit ihren großen spitzen Schuhen drauftrat, feststellen, daß es sich mitnichten um eine Treppe, sondern um zwei aneinandergeschobene Kisten handelte - und blieb hängen, fiel der Länge nach auf die Bühne, auf das Gesicht, platsch. Dies vor dem Lord Mayor und 300 schweigenden Leuten. Tja, was tun? In solch einer Situation betrachtet man sich oft von außen - nebst der Tatsache, daß man am liebsten im Boden versinken möchte ;-) Sie wollte aufstehen und weitermachen - aber: sie kam nicht hoch: enger Rock, Stilettos, Problem ;-). So zappelte sie also eine Weile, bis jemand aus dem Publikum den Fehler machte, Blickkontakt aufzunehmen: 'come here, help me up!' Er kam.

Und: er war der kleinste, winzigste Mann, den Joolz - selber nicht gerade klein - je gesehen hatte (war das nicht letztlich noch Ice-T?? ;-)) . Tja, sie kämpften also eine ganze Weile, lachten Tränen, bis sie endlich wieder stand - und das Publikum schwieg. Danach las sie, als sei nichts gewesen, ihre Geschichten, der Veranstalter war beeindruckt, schickte sie in die Garderobe, wo sie in den Spiegel sah - und fast zusammengebrochen wäre: sie sah aus wie Alien Sex Fiend ;-))) Ihr Make-up war vollkommen verschmiert! Der Veranstalter kam wieder und drückte ihr noch einmal seinen tiefesten Dank aus, der Lord Mayor sei ja _so_ beeindruckt gewesen, er würde immer wieder solche Leute bewundern, die solch komischen Dinge auf Kommando tun könnten, ohne dabei selbst vor Lachen zu ersticken - und dieses make-up so genial hinzubekommen, er sei sprachlos... Für ihn war es alles Absicht ;-)

Also: falls uns einmal etwas 'schlimmes' passieren sollte: es sei alles halb so wild, so schlimm, wie es ihr damals passiert ist, könnte es uns gar nicht ergehen ;-) Da könnte sie wohl recht haben... vor allem, wenn man Bühnen weiträumig meidet ;-)

Danach las sie noch eine weitere, ältere Geschichte - vollkommen übergangslos - Justin an der Gitarre, Brett am Synth (für Seargant Becker): Musket, Fife & Drum, das mit am Ende immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken jagt.

Den Abschluß machte Justin, der diesmal irgendwie nur neuere Stücke spielte, nichts, wo wir so richtig hätten mitsingen können. Er begann dieses Set mit einem neuen Song: Kindness of strangers. War langsam, schön, zumindest besser als das andere neue, sofern man das nach einem Mal hören beurteilen kann. Es war wohl gedacht für's letzte Album, aber wurde dann doch nicht ausgewählt.

Danach - by help of modern technology - gab's You weren't there - drums und Keys wurden auf Knopfdruck eingspielt, Justin blieb ohne Gitarre, hatte Zeit für Gesten und spielte Mundharmonika, absolut genial.

Danach erzählte er, daß sie ja schon seit Jahren Freunde sind, daß sie diese Art Tour ca. alle 2 Jahre machen und gerade dieses Mal sehr viel über Religion etc. philosophiert hätten auf dem Weg von A nach B. Anyway, in Berlin spielten sie in einer Kirche, so richtig mit Kreuz im Nacken, sozusagen, und es sei sehr seltsam gewesen. Während des Konzerts hat jemand vorgeschlagen, das folgende Lied zu spielen, was er auch tat, weil es einfach irgendwie passte. Und er wolle es jetzt ebenfalls spielen: Someone like Jesus. Er hat es sehr intensiv rübergebracht, auch die Stimmlage entsprach der kratzigen, rauhen auf der CD. Danach hat er erzählt - wie schon erwähnt - dass 'seine and gerade 20-jähriges Bühnenjubiläum hatte und daß das folgende Lied der Grund ist, warum sie immer weiter machen: Stranger, mit Brett am Bass. Eine sehr seltsame Fassung dieses imho schönen Songs haben sie gebracht, der Bass war extrem laut, die Gitarre kaum zu hören, fast so, als würde er ohne Verstärker spielen.

Im Anschluß gab es noch ein weiteres Lied von der Eight, eines der wenigen, für das ich mich so gar nicht erwärmen kann, das ich auch auf dem History-Konzert eher überflüssig fand: R&R.

Schluß wie immer, Namen, Umarmung, Verbeugung.

Tosender Applaus, Fußgestampfe.

Das bringt uns immer zurück, das mögen wir sehr, sagte Joolz zu letzterem.. Immer? ;-)))

Zugabe 1: Joolz mit Flicken-Glitzerjacke: eine weitere Verwurstung eines Klassikers, diesmal von einem Amerikaner: Heartbreak Hotel, Elvis Presley, scharf, absolut! ;-) Die Strophen wurden abwechselnd gesungen, den Hüftschwung hatten Joolz und Rev am besten raus, Revs Art zu singen, kam dem King doch sehr nahe, echt klasse!!

Zugabe 2: Wieder Minnie the Moocher - nach Aufforderung standen die Leute dann auch endlich auf! Wieder mal klasse, obwohl es beim letzten Mal fast noch besser war - was aber sicher auch daran liegt, daß es damals noch neu und unbekannt war. Die Strophen wurden wieder abwechselnd von Joolz, Rev, Justin, Rev & Joolz gesungen, echt scharf. Danach war Ende gegen 23:35 h, ganz schön lang.

Fazit: nicht so klasse wie beim letzten Mal, aber immer noch genial! Liegt vielleicht auch an meinen Erwartungen, die von Mal zu Mal höher werden...

Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, daß weniger erzählt wurde.

Justins Songs hätten vielleicht etwas gemischter sein können, so von wegen Mitsingen. Rev war wie immer incredible. Joolz' Musket, Fife & Drum war genial, live eines der besten und intensivsten von ihr. Und ohne Brett könnten sie alle einpacken ;-)

Klasse fand ich auch die vier Künstler untereinander: Wenn Rev dran war, sang Justin leise mit, bei ihm war es Joolz, die man singen sehen konnte, echt nett.

Ich freu mich auf's nächste Mal, immer in der Hoffnung, daß es nicht so lange dauern möge.

Dank euch für die schönen drei einhalb Stunden!!!

(c) bat 01/01

Ich wäre selbstverständlich beglückt über Fotos oder gar Aufnahmen und es findet sich sicher was zu tauschen... please drop me a line!

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Red Sky Coven, Kaue, Gelsenkirchen, 22.01.2004

Red Sky Coven haben die Kaue ganz schön lange allein gelassen, wenn ich mir das Datum des letzten Gigs so ansehe... folglich war es voll, wie immer. Die Bühne bestückt mit Gitarren, einem Bass in einer Art Ständer, mindestens einem weiteren Bass, einem Keyboard sowie natürlich dem Tisch mit den Getränken und der Kerze für die Hauptakteure des Abends: Joolz Denby, Rev Hammer, Justin Sullivan und natürlich Brett Selby - obwohl, sicher war ich mir nicht. Der Mann der neben den drei anderen die Bühne betrat, sah irgendwie eher aus wie Wolverine... schwarze Hose, schwarzes Muscleshirt, sehr nette Tattoos auf den noch netteren Oberarmen, eine Baseballkappe auf dem Kopf und eben dieser enorme Backenbart, unglaublich! Aber es war doch Brett Selby, es sei denn, auch Wolverine kann Bass spielen... ;-) Die vier kamen um 20:00 h auf die Bühne (alle anderen übrigens auch schwarz gewandet, die einzige Farbe hatte Joolz in den Spitzen ihrer Haare, die waren nämlich leuchtend rot). Alle standen still, Joolz hielt eine Metallschale in der Hand und schlug den Gong. Schweigen. Im Publikum und auf der Bühne. Endlich, dann, mit einem Grinsen, ging's los: Joolz ans Mikro, der Rest an den Tisch. Tja, sagte sie, ist schon mal jemand nicht bei RSC gewesen? Schweigen. Sie sah fast enttäuscht aus... immer das gleiche in Gelsenkirchen, die gleichen Leute, die alle erwartungsvoll auf die Bühne starren, mit great expectations und dem Gedanken: entertain me... Sie strickte ihre Einleitung dann ein wenig um: wenn ihr also evtl. nur zu schüchtern gewesen seid, euch zumelden... Hadyphones off, show will be in English, show will be in two halfs.. and you have to rummage in your bags for your handyphones to switch them off,..... because: I WILL GET YOU!!! Zwei oder drei taten ihr dann den Gefallen... der Rest war schon von den Malen zuvor so verschreckt, dass er aus Angst vor ihrem unbändigen Zorn bereits vorab ihrem Willen gehorchte ;-) Es hat auch wirklich nicht ein Handy geklingelt.

Joolz kündigte nun wie immer zuerst den armen Rev an, war aber diesmal erstaunlich friedlich... obwohl Rev doch schon in Erwartung der schlimmen Vergleiche seinen Kopf in seinen Armen vergraben hatte... ;-)

Nun dann also: Bühne frei für REEEEEV Hammer.

Er startete damit, dass er um Feuer bat, weil die Kerze auf dem Tisch noch nicht brannte. Wunsch wurde erfüllt und Feuerzeug gleich einbehalten, weil Rauchen eh nicht gesund ist.

Tja und dann kommt es wieder: Anja und die Songs von Rev Hammer. Er startete mit ITrue blue, das bekomm ich noch so grade hin. Danach die Daughter of a miner namens Caroline (nicht von ihm), beide ganz schön. Dann, endlich, die langersehnte Story ;-) Zunächst gab es als Einleitung mal eine Anspielung auf die vergangenen Shows und seine damalige Vorliebe für Schafe.. nun er habe einige Behandlungen hinter sich gebracht, Drogen, alles was man so machen kann und nun ist er geheilt (war er eigentlich vor zwei Jahren schon, aber dann kamen ja die Kühe ;-) ).... er mag jetzt Enten! Hat diese auch sehr schön nachgemacht - und prompt fingen die Leute an zu fotografieren. Typisch, meinte Rev. Ich werde nicht fotografiert, wenn ich nett und malerisch an der Gitarre ein schönes Lied singe, nein man fotografiert mich, wenn ich eine Ente nachmache. Vielen Dank! ;-)

Die Geschichte. Ente kommt in Bar, fragt nach Brot, wird diverse Male unter Hinweis auf das reichhaltige Getränkeangebot (we sell Guinness, we sell Lager, we sell champagne, no bread) zurückgewiesen, die Mannen im Pub heulen so sehr, dass die Ente bereits zur Bar schwimmen kann, der landloard droht ihr, ihren Schnabel auf die Theke zu nageln, sollte sie noch einmal fragen, sie fragt, aber erst nach Nägeln.. Naja, immerhin war der Witz verhältnismäßig kurz ;-). Dann ein kurzes Ablästern über diese ganzen Song Contests, Alexander und auch den englischen Beitrag Will Young (don't buy Neil, buy Will) und die Erwähnung, dass auch Justin und Rev einen Song Contest veranstaltet hätten. Er, Rev habe den folgenden Song geschrieben, während Justin sich nur betrunken habe und gar nichts abgeliefert hätte...

Der Song (für den contest ;-)) war ganz ok, passend für einen Song contest ,-) Danach ein 20 Jahre altes Lied (unmöglich, Rev, damals warst Du doch höchstens 3 - wollte er gern hören ): Jimmy Flannagan, zusammen mit den Herren Selby an der bass guitar und Sullivan am Keyboard. Und dann die Überleitung zu

Joolz.

Joolz startete damit, dass sie ja nun wichtig und wertvoll sei, weil man ihr Werk nun in Universitäten lehren würde... um den Leuten colloquial English beizubringen... oder so. Und sie selber sei nun auch wichtig: Co-Kurator eines Museums in der Nähe von Bradford für eine Ausstellung mit einem unsäglichen Namen, die kurz gesagt, das Thema Körperkunst oder Körperveränderungen hat. Nicht nur Tattoos und Piercings sind das Thema, sondern eben auch die Veränderungen, die Hollywood so gern hat wie Silicon-Brüste und was sonst noch so dazu gehört. Kurzer Ausflug in die Welt der Pin-Up-Girls und zu Katie Price (oder so), mit der man(n) bestimmt neben der Begrabbelung der falschen Brüste sehr gut über Football und Fußball reden könne... der Erfolgsfaktor wäre einfach, dass diese Frau aussieht wie ein Junge mit enormen Brüsten.. ;-) Es ging aber auch noch um Tattoos, Biergläser, peinliche Namen und keltische Designs. Joolz war übrigens aufgefordert, zu der Ausstellung noch ein Gedicht zu schreiben, was sie auch getan hat (und jetzt ist sie schuld, dass tausende britischer Teenies sich haben tätowieren lassen ;-) ): The tattoed heart. Sehr nett.

Dann gab's einen kurzen Ausflug nach Bradford und dass sie jedem abrät, dort längere Zeit Urlaub zu machen.. so zwei Stunden würden durchaus ausreichen , auch wenn sie immer wieder Geschichten darüber schreiben würde und Justin immer wieder Lieder darüber singen würde, es wäre wirklich nicht so schön, um dort längere Zeit als Tourist zu verbringen. Übergang zur nächsten Geschichte: Two lane's orison (bon voyage). Ich kannte die Stories beide nicht, daher sind die Titel nur Vermutung. Begleitet wurde sie übrigens von Brett und Justin am Keyboard. Und dann ging's auch schon weiter mit

Justin Sullivan.

Justin war definitiv wortkarg, vielleicht hat er zu lange getoured, keine Ahnung, wirkte ein wenig genervt, wie auch Joolz, war generell eine eher seltsame Stimmung.

Justin startete jedenfalls mit Stoned, fired and full of grace. Hat mir trotz der harten Gitarre und der teilweise recht aggressiven Spielweise sehr gut gefallen. Weiter ging's mit einem mir unbekannten Song. Ich fand ihn recht unmelodisch, eher langsam und mittendrin wurde die Gitarre sehr, sehr laut und hart und Justin schrie plötzlich los: Screaming blue murder!

Dann erzählte uns Justin von der Entstehung des nächsten Songs Mitte der 80er Jahre, Thatcher-Ära in England mit sehr viel Arbeitslosigkeit: Lights go out, auch ein eher aggressiver Song. Und dann der Wechsel auf seine eigene Solo-CD, auf der viel über das Meer, das er heiss und innig liebt, gesungen wird, aber eben auch über die Wüste: Sentry. Begleitet übrigens hier von Brett. Den Schluss für diesen ersten Teil machte ein 'Beziehungssong' wie er ihn genannt hat und dass er noch immer nicht so recht weiss, worum es in diesem Lied eigentlich geht, was alles aussagen würde über sein Wissen über Beziehungen ,-) The Prize, hab ich definitiv noch nie live gehört. Recht eindrucksvoll, aber dennoch eine seltsame Musikauswahl, wie ich fand.

Nun dann, nach der Pause kündigte Joolz mal wieder Rev an, diesmal als Kylie Minogue des Irish Folk ;-)

Rev fing dann auch gleich mit einem berühmten Irish-Folk-song an: lalala lalalalala lalala, can't get you...

Nicht wirklich, ging danach direkt über zu dem, was er eigentlich singen wollte, den Titel kann ich leider wieder nicht mal mehr erahnen.

Er erzählte dann, dass sein Dad aus seinen Kindern immer Boxer machen wollte, weil er ein großer Box-Fan war. Besonders für Rev's Schwester war das eher hart und auch Rev hat das nicht so recht gefallen... dennoch musste er immer vor der Schule aufstehen, um mit seinem Vater Boxen im Fernsehen anzusehen, insbesondere von einem Irisch-Amerikanischen Boxer namens Jerry Quarry, dem sein Vater wohl eingeflüstert hatte, niemals aufzugeben und so hat er es auch mit 50 noch nicht getan. Letzter Kampf 1992, gestorben 1999. Das folgende Lied hat Rev diesem Boxer gewidmet: There is no quit in a Quarry (weil sein Vater dies immer zu ihm gesagt hatte). Dann noch irgendwas, das wirklich zum Mitsingen aufgefordert hätte, wenn ich es denn gekannt hätte... und zum Schluss (Worse and worse) like the son of a goat (mit Brett und Justin). Aber statt noch eine seiner netten Geschichten zu erzählen oder einen seiner irren Witze, leitete er über zu

Joolz

Joolz hatte ihre Juwelen gewechselt, ließ sich entsprechend darüber aus, über Make-Up, Jewels, Klamotten und über ihre erste RSC-Tour, insbesondere in den Niederlanden, wo das Publikum wohl besonders kritisch und schwer zu begeistern sein - wenn es aber einmal begeistert wäre, wäre es absolut genial. Aber bis dahin: we have cafés where we can smoke hasch, we are open-minded, we know a lot, so ENTERTAIN US!! Will sagen: sie waren nervös, sie wechselten vor dem Gig permanent die Klamotten, ja , auch die Jungs, Joolz in einem enormen weissen T-shirt, Rev in einer unmöglichen engen pink-schwarz-gestreiften Wanderhose... über näheres wollte sie sich nicht auslassen, schließlich sei er verheiratet... ;-) Wie der Gig dann gelaufen ist, hat sie irgendwie gar nicht mehr erzählt.. ;))) Aber die zugehörige Geschichte von Venus, die sich aufstyled (aufstylt, zurecht macht, halt ;-) ) und in die Nacht verschwindet und ihre wehmütige und doch stolze Mutter zu Haus zurück lässt.

Tja und dann kam die Geschichte mit dem Jetlag, von dem Joolz geglaub hatte, es gäbe es gar nicht, schließlich ist sie ja schon ganz schön rumgekommen auf der Welt, aber davon war sie bislang immer verschont geblieben.. bis auf dieses eine Mal ausgerechnet in Calgary, wo sie Großbritannien bei einem Literaturfestival vertreten sollte...Abstieg in einem super-tollen Hotel, alles gold und roter Teppich und so und Joolz vollkommen fertig mit der Welt, rote Augen, unmöglich geschminkt, schwarze Klamotten, Riesen-Reisemantel, ein wenig wie eine tote Fledermaus, wartend in einem winzigen goldenen Stuhl in der Empfangshalle. Grund: Es sollte irgendeine Dinner Party geben, zu der man sie abholen wollte. Und dann stand da plötzlich in der Halle dieser kleine Mann mit der noch kleineren Frau und den ganzen Homeboys drumherum: Ice-T.. wir erinnern uns... ;-) Tja und Joolz wusste nun über diesen sympathischen jungen Rapper, dass er klassische schwarze Literatur neu herausgibt und genau dies wollte sie dieser Berühmtheit sagen. Nur geht sowas mit Jetlag nicht wirklich gut, so dass es damit endete, dass sie die Knarre eines der Bodyguards von Ice-T am Kopf hatte und entschuldigend sagte: I'm English! ;-) Tja, Ice-T war gnädig, aber Joolz hat sich in Grund und Boden geshämt und meinte, es sei einfach besser zu sagen: hey, toll,w as du gemacht hast, aber dann ganz, ganz schnell wieder zu verschwinden, bevor es peinlich weden kann ;-) Und bei ihr wurde es noch schlimmer: Diner party, alles trank, Joolz trinkt nicht mehr (wird erst albern und dann aggressiv, muss die Welt nicht haben, meint sie). Also langweilig. Irgendwann - nicht vergessen, immer noch böses Jetlag - ins Taxi, zum Hotel, aus dem Taxi raus, großer schwarzer Mantel und Cowboystiefel. Gar nicht gut, wenn müde, deshalb gefallen und wie eine große schwarze Kakerlake vor dem Hotel auf dem Rücken gelegen. Nicht zu vergessen: beim Aussteigen hat sie noch die große weisse Stretch-Limo gesehen und gedacht ' Aha, die T's'. Und prompt stiegen diese die Treppe herunter und kletterten überJoolz hinweg!!! Schlimmer konnte es echt nicht mehr werden ;-) Also, alles halb so wild, nur dran denken: direkt wieder verschwinden ;-) Sie erzählt einfach umwerfend, ich könnte mich jedes Mal totlachen, muss man erleben, wirklich!!!

Joolz hat in Calgary die Gelegenheit genutzt, mit allen möglichen und unmöglichenLeuten zu sprechen, nur mit eienr nicht und über diese hat sie sich dann die folgende Geschichte ausgedacht:

The profit of Calgary (begleitet von Justin am Keyboard)

Und dann: Übergabe an Justin.

aber: sie blieb stehen und ging wundersamerweise zu einem weiteren Mikro! Jep,sie hat gesungen und das nicht erst bei der Zugabe. Nein, bei einem wunderschönen Song von Justin hat sie den Refrain mitgesungen, Sooner or later heisst er, wie ich jetzt gelernt habe (Dank an Sascha): Turn, turn, the dance goes on, silver the secret moon, sooner or later, all will be broken (?), say what you must not say. Wow! Danach hatte Justin dann das self-playing keyboard, das auch Echos kann und mit dem hat er dann Paekakariki Beach gesungen, kein weiterer Kommentar zu diesem song.

Danach R.I.P. und Rainy night 65. Doch, ich bin fast sicher, dass Justin von den 'normalen' songs in der Vergangenheit zu viele gespielt hat. Und dann nochmal was zum Mitsingen und Kuscheln: Snelsmore Wood, ganz ohne Geschichten, totzdem genial.

Und das war's, dann kam nur noch das Vermurksen von Klassikern: diesmal im Angebot: On the road again von den Rockets, glaub ich (Gesang Joolz und Rev an einem Mikro, eine Strophe auch von Justin, echt cool) und Going away (alle haben irgendwie gegröhlt ;-) ), das ich zwar kenne, aber noch nicht zuordnen konnte.. also wenn mir jemand helfen kann....

Es war schön, aber ich glaube, die hohen Erwartungen in der Kaue und dass jeder sie irgendwie schon einmal gesehen hat, hat die Jungs und das Mädel ein wenig genervt. Joolz sagte am Ende auch sowas wie: so, jetzt geht nach Hause und quetscht euch aus wie ein Schwamm, nachdem ihr hier alles aufgesogen habt.. hab ich hiermit getan. Wie gesagt, seltsame Stimmung. Bei Justin ist das irgendwie immer am deutlichsten, wenn er so wenig redet und die Songs auf diese brutale Art spielt. Es wurde auch wieder weniger erzählt, was mir neben Justin insbesondere auch bei Rev aufgefallen ist. Aber es waren trotzdem schöne drei Stunden, die süchtig machen und deshalb fahr ich wohl doch noch nach Münster...;-)

Falls Ihr Aufnahmen (Ton oder Bild) habt, bitte meldet euch und nochmal schöne Grüße an all die lange nicht Gesehenen.

(c) 01/04 bat

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Red Sky Coven, Jovel Music Hall, Münster, 25.01.2004

Das Jovel ist viel weiträumiger als die Kaue, bestuht waren aber ebenfalls etwa 200 Plätze, auf zwei Seiten aufgebaut und in der Mitte ein Gang. Die Bühne leicht erhöht, und doch ein wenig größer als in der Kaue. Aufbau, sprich Giitarren, Bässe, Tisch wie in Gelsenkirchen. Pünktlich um 8 Auftritt Red Sky Coven. Klamotten von Joolz, Justin und Rev wie zuvor (oder eine Variation desselben schwarz ;-)), Brett/Wolverine diesmal mit langärmeligem Pulli und ohne Käppi. Schade, die Tattoos haben mir schon ziemlich gut gefallen ;-) Stimmt, Joolz hatte irgendwann in Gelsenkirchen gesagt, dass Brett diesmal ihr 'Modepüppchen' sei und er an jedem Abend etwas anderes anziehen würde... ;-)

Das erste, was Joolz sagte, war: Oh, ihr seid in der Kirche. Stimmt auch irgendwie, die Stühle mit dem Gang in der Mitte konnten von vorn diesen Eindruck durchaus erwecken ,-) Es war übrigens viel heller als in der Kaue, die Herrschaften auf der Bühne konnten ihr Publikum die ganze Zeit sehen. Das Publikum übrigens war hier ganz anders, altersmäßig viel durchmischter, viel weniger schwarz und die meisten Leute maximal Anfang bis Mitte 20, würde ich schätzen. Prompt hatte Joolz mit ihrer Frage, wer RSC denn noch nicht gesehen hat, einen vollen Erfolg, es haben sich diverse Leute gemeldet. Ok, sagte sie, alles wird gut, alles halb so schlimm. Dann kamen die üblichen Sprüche und außerdem fragte sie noch, ob die Besucher denn Bescheid gesagt hätten, wo sie heute seien... ;-) The door is locked. Nein, alles wird gut, es wird gut für die Newcomer gesorgt werden. War auch so und ich glaube, es hat ihnen gefallen ;-)

Dann also kam die wieder erstaunlich harmlose Überleitung zu Rev.

Rev: startete mit Daughter of a miner, erzählte dann irgendwas von Amerika und Texas und einem Diner und sang auch ein entsprechendes Stück, irgendwas von einer Frau, die aussieht like a Russian Queen und es muss irgendwas mit Texas zu tun gehabt haben. Danach etwas abgewandelt die Geschichte von der Heilung und dass er statt Kühen jetzt auf Enten umgestiegen ist (der Bezug zu vorherigen Gigs und Stories war hier mit entsprechender Rücksichtnahme auf die 'neuen' geringer) und der zugehörige Witz. Im Anschluss: Jimmy Flannagan mit Justin und Brett. Danach Überleitung zu Joolz.

Joolz: begann ganz anders als in Gelsenkirchen, erzählte nämlich, dass sie heute einen ihrer Tage mit Heimweh hat und dass sie ihre Katzen vermisst. Sie hat gehört, dass es in Bradford geschneit hat und sie denkt an ihre kleine weisse Katze und dass es absolut witzig ist, kleine weisse Katzen das erste Mal in den Schnee hinaus zu schicken. Dann erzählte sie noch von ihrem alten Kater, dem Paten der Nachbarschaft, und machte den entsprechenden Film und Mr. Brando erstaunlich gut nach: tja, und wer bei diesem Kater nicht spurrte, bekam halt einen Mausekopf ins Bett gelegt ;-) Dummerweise hat sie nun den Großenkel dieses Katers zuhause (Spotty glaub ich war der Name, zumindest so ähnnlich...) und dieser steht mehr auf Chaos und auf cat-nip (?), so eine Art Hasch für Katzen... steigerte sich rein in Katzenparties, absolut bekiffte Katzen und überhaupt sei Winter und Schnee schon was Schönes: Story (mit Musik): Winter in the city. (mit Justin und Brett).

Im Anschluss philosophierte sie über die deutsche Sprache, kam irgendwie drauf, weil ihre Bücher ja nun auch schon seit einer Weile in deutsch erschienen sind und dass es komisch sei, diese zu lesen (ein wenig kann sie wohl lesen, aber nicht so recht sprechen) Drei Worte sind ihr aber schon seit Jahren im Gedächtnis haften geblieben, obwohl sie es noch nicht hinbekommen hat, daraus einen vernünftigen Satz zu bilden: Gummibusenhalter (was in aller Welt mag das sein? ;-)) ), Eichhörnchen und Klosterfraumelissengeist... ;-) Mit letzterem scheint sie auf einer der letzten RSC-Touren mal nähere Bekanntschaft gemacht zu haben: Ihr ging's nicht gut, Erkältung oder so und der deutsche Tourmanager hat ihr eben diesen Klosterfraumelissengeist empfohlen.. Joolz trinkt aber nun nicht mehr und hat sich in der Dosierung wohl ein wenig verschätzt... hatte wohl durchschlagenden Erfolg ;-) Wehe den Leuten, die auf diesem Gig waren ;-)

Irgendwann zwischendrin hat sie auch nochmal was von Aliens erzählt, aber die Kurve und die Verbindung zu den anderen Geschichten bekomm ich nicht mehr hin... nicht Menschen werden von Aliens entführt, sondern wir sind die Aliens für Tiere.. Beispiel: Eisbären... naja, muss man hören, war echt witzig ;-)

Wieder zurück zu Bradford und der Geschichte, die auch in Gelsenkirchen erzählt wurde, nur hat sie hier im Vergleich zu dort die Titel genannt: Two lane's Orison (old word for prayer), begleitet durch Justin, Rev und Brett.. Danach die Überleitung zu Justin:

Justin war hier irgendwie besser drauf und erzählte ein wenig mehr während des Gitarre-Stimmens ;-) Er startete mit der Story, dass er ja nun ein solo-Album hat, auf dem größtenteils Lieder über die See sind, aber eben auch eines über die Wüste: Sentry (Brett unterstützte netterweise). Danach: Stoned, fired and full of grace, sowie wie gehabt Lights go out und Rainy night 65. Zu letzterem sagte er noch, dass er nicht wirklich weiss, worum es geht und warum sie es geschrieben haben. Sehr schön war's. Die Gitarre war zwar auch laut und sehr intensiv, aber die Stimmung, die hier rüberkam, war irgendwie eine ganze andere.. alle wirkten viel entspannter.

Nach der Pause gab's die schon in Gelsenkirchen stattgefundene Überleitung zu Rev, der Kylie des Folk:

Rev spielte auch hier wieder mit:: lalala und spielte im Anschluss direkt das Hochzeitslied für sich und Kylie, wobei er Kylie gern in seiner Hosentasche gelassen hätte... ;-) Wedding Ground. Danach die Boxer-Geschichte und There's no quit in a Quarry, unterstützt durch Brett und Justin, Danach ebenfalls mit den beiden noch Worse and worse (er hat bewusst den zweiten Teil des Titels weggelassen, wie er sagte, weil er die Neulinge nicht mit noch mehr Tieren verwirren wollte ;-) ). Dann noch ein song wie four white chapels oder so und dann ging's ans Lästern über Joolz, die zwischenzeitlich nämlich, wie auch in GE, ihren Schmuck eingetauscht hatte: das gäbe es nur noch einmal, dass jemand mitten im Gig seine Juwelen austauscht, nämlich bei JayLo.... ;-) Aber, ganz ehrlich, Joolz habe einen definiv kleineren Po als JayLo... als das Publikum zögerte, wurde er noch einmal nachdrücklich: wir müssten ihm nun unbedingt zustimmen, was dann natürlich auch geschah ;-)

Joolz, :die die Überleitung durchaus verstanden hatte, betonte noch einmal, wie hübsch sie JayLo doch finden würde und lästerte dann ein wenig ab über ihre Parfum-Kreationen; die erste hieß wohl Glow, die zweite nun Still, was immer das auch miteinander zu tun haben mag... Still Glowing, sagte jemand aus dem Publikum ;-) Naja, wenn alle Rockstars Parfüm machen müssten... Justin Sullivan - Vengeance - sei doch auch eine schöne Namenskreation. Fand das Publikum natürlich auch ;-) Dann ging's wieder zur Uni, die jetzt ihre Stories lehrt und zum Co-Kurator für die Ausstellung on body modification mit dem schönen Beispiel des Pin-Up Katie Price. Abwandlung: Sie fasst es nicht, dass immer mehr Leute dieses Nervengift Botox verwenden, um ihre Falten wegmachen zu lassen. In Hollywood soll dies angeblich schon zu richtigen Problemen geführt haben, weil keine Schauspielerin mehr aufzutreiben sei, die tatsächlich auch eine gewisse Mimik fertigbringt ;-)))

Sie leitete dann über zu Venus, indem sie nochmal auf die vielen unterschiedlichen Altersstufen im Publikum hinwies und die Geschichte den Müttern unter uns widmete.

Dann ging's über zum Jetlag und nach Calgary, wo wir wieder den T's begegneten und der Story The Profit of Calgary. Sehr gut gefallen hat mir übrigens hier, dass sie die Geschichten inklusive Titel angesagt hat.

Justin war nun wieder dran, Joolz setzte sich aber nicht, sondern sang wie auch in GE mit ihm: Sooner or Later, wunderschön. Dann noch ein schönes, das ich bislang erst einmal auf einem Justin-solo-Gig gehört habe: Pack. Danach: The prize. Zwischendrin hat er beim Gitarrestimmen noch ein wenig erzählt: wie sehr er zum Beispiel den Winter nicht mag. Ihm fehlt einfach das Licht und irgendwie kam er von dort dann noch auf die Anfänge von Red Sky Coven, just a bunch of friends, die irgendwie rumphilosophierten über Soul/Spirit.. auf deutsch vielleicht den Geist (habe mal jemand für ihn übersetzt) und dass man ab und an einfach weg will von allem. Einmal kann man flüchten, ein anderes Mal etwas tun, dass die Welt, die einen so nervt, ein wenig verändert. Erst also das Fluchtlied, wieder mit Echo und self-playing Keyboard: Paekakariki Beach und dann noch einmal das Veränderungslied Snelsmore Wood. Hier hat er übrigens noch von der Demo in London gegen den Irak-Krieg erzählt: Wäre die größte Demo in der Geschichte Londons / Englands (?) gewesen und sie hätten mit dem Zug hin gewollt. Diese waren aber entsprechend voll, so dass sie mindestens zwei Züge verpasst haben und der dritte war natürlich gerappelt voll und kam mit Verspätung an. Der Zugführer hat sich in einer Durchsage für beides vielmals in typisch britischem Understatement entschuldigt und meinte, dass halt alles die Schuld sei von George W. Bush ;-)

Sehr schön. Die Songs haben mir, obwohl nur minimal geändert wurde, um Längen besser gefallen und Justin an sich war viel gesprächiger.

Tja, und das war's dann, die Zugaben waren wie oben (On the road again, Going home), nur hat hier Justin sogar beim ersten Song schon eine Strophe übernommen.

Doch, auch wenn das Programm sehr ähnlich war, es hat ganz, ganz anders gewirkt, viel netter, freundlicher, familiärer. Und es hat mir besser gefallen, obwohl es 15 Minuten kürzer war. Vielleicht sollte ich das nächste Mal einfach lügen und auch sagen, ich hätte sie noch nie gesehen ;-)

Gut, dass wir uns noch auf den Weg nach Münster gemacht haben!

(c) 01/04 bat

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Red Sky Coven, Zakk, Düsseldorf, 20.01.2009

Fast genau 5 Jahre ist es her, dass ich Red Sky Coven, die vier Freunde in allen Lebenslagen Rev Hammer, Joolz Denby, Justin Sullivan und Brett Selby zuletzt gesehen habe - ihre letzte Tour in Deutschland war tatsächlich 2004! Sie sind wieder da und üben sich wieder im Aufführen von Unerprobtem und Erprobtem, wechseln zwischen Improvisation und vorher feststehenden Programmteilen. Die vier kamen auf die Bühne, zündeten die für sie aufgestellten Kerzen an, setzten sich an einen Tisch rechts auf der Bühne. Nur Joolz, Brille, Jeans, schwarzes Top, silbrige, lange Haare, kam zum Mikro und begrüßte die rund 200 Leute mit dem lang ersehnten und sooo lange vermissten Satz: "the show will be in two halfs". Sie fragte auch wieder, ob es Leute gebe heute abend, die sie nicht kennen würden und es meldeten sich auch ein paar Unerschrockene, denen sie direkt erklärte: alles ist gut, die Türen sind versiegelt und wir werden nur englisch sprechen.. solltet Ihr - wenn ihr nicht ganz so gut Englisch könnt - zwischendurch mal den Faden verlieren, macht nichts, wir verlieren ihn auch ab und an, aber wir sind bei Euch, we are in this together. ;-)". Es folgte noch eine kurze Erläuterung über den weiteren Ablauf der Dinge, die ich denen, die noch keinen Gig gesehen haben oder noch nicht bei den alten Gig-Beschreibungen gespickt haben, nicht vorenthalten will. Nacheinander werden alle drei - jeweils unterstützt von Brett Selby an der bass guitar - ihre Arbeiten vorstellen, danach gibt es eine Pause und dann - geht es wieder von vorn los. So die Theorie, auf zur Praxis. Joolz übergab das Wort - ganz ohne Vergleiche - an Rev Hammer.

Rev, ebenfalls leicht ergraut, angetan mit Jeans und Sakko, begann mit einem Song, den ich noch von den letzten Terminen kannte: True blue, danach Alabaster (? irgendwas mit .. everything in time). Bei Rev bin ich leider songtechnisch nicht so bewandert. Dann endlich kam einer der gefürchteten Farmer aus Devon-Witze, diesmal jedoch relativ harmlos. Ich sag nur so viel: Farmer, black limousine, black sunglasses, blackberry, cows and baby cows und satellites. Der Rest ergibt sich dann. Wäre doch schade, wenn ich ihm und euch die Pointe versaue, insbesondere, weil Revs Witze im Verlauf der Tour dazu neigen, immer länger zu werden ;-).

Danach noch ein Song, bevor er an Joolz übergab: Punchdrunk, wenn ich nicht irre, unterstützt von Brett Selby, der wie immer schwarz trug. Und seine neueste Errungenschaft ist: ein Vollbart. Joolz sagte, er sähe aus wie ein Pirat... war was dran...;-).

Joolz legte los mit allgemeinem Geplauder, über ihr Lieblingsthema Hippies und ihren Erlebnissen auf einem Literaturfestival in Glastonbury, auf dem diverse Hippies waren und sie mit Namen wie "Moonchild" und komischen Aktionen mit angebissenen Milchschokoladetafeln völlig aus dem Konzuept gebracht haben. Sie bat dann die Herren Selby und Sullivan zu sich und erzählte Here's old death: here ist my punishment, here is my sin. Sie erzählte im Anschluss, dass sie schon immer Bücher verschlungen hat und ihre Eltern ihr nie Vorschriften gemacht haben, was sie zu lesen habe und was nicht und dass sie die Sexszenen im Freien in Lady Chatterly von D.H. Lawrence zum ersten mal mit 10 und zum nächsten Mal mit 35 blöd gefunden habe - sowas könnten sich nur Männer ausdenken, die keine Ahnung davon hätten, wie Frauen ticken - Jungs, hat sie gesagt, vergesst das mit der Liebe in der Wildnis, gaaanz blöde Idee. ;-). Jedenfalls hat sie damals in der Bibliothek ihres Vaters auch etwas gefunden über die beiden Mädchen, deren Schicksal in der nächsten Geschichte beschrieben wird - Justin am Keyboard und PC mit indischen Weisen im Hintergrund: The wolf girls of Midnapore, übrigens auch auf der neuen CD von Joolz Spirit Stories zu finden. Sie bedankte sich, setzte sich wieder und überließ die Bühne Justin Sullivan, auch er mit Jeans und undefinierbarem T-Shirt und Jacke (grün? grau?), auch er die Haare lang und leicht angegraut... sie werden älter. Außerdem war das Licht absolut gruselig, rot, orange, pink und grelles Weiss stehen einfach nicht jedem! ;-).

Justin startete mit Apocalypse dreams, genial. Danach, ohne weitere Worte, zwei songs, die ich spontan nicht einsortieren konnte: ... bury my heart.. und God save me from everything I really want. Hmm. Muss ich häufiger hören, der erste Eindruck war nicht schlecht.

Dann hat er endlich erzählt über Tommy Tee, den Manager, der am 23.12. mit nur 46 Jahren gestorben ist. Wir hatten vorher schon überlegt, wie sie wohl drauf sein werden, schließlich ist das Ganze noch nicht lange her und lässt sich nicht einfach so beiseite schieben. Justin erzählte, was für ein toller Typ er war und dass er einfach alles gemacht hat, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wie es weiter gehen soll und sie ihn unheimlich vermissen werden. Den nächsten Song hat er ihm gewidmet, weil er genauso gern auf Tour war wie Justin selbst: Tales of the Road. Großartig. Danach musste Brett nochmal ran für No mirror, no shadow. Hab ich erst gar nicht erkannt, kenne es bislang nur mit voller NMA-Besetzung. Aber auch akustisch ein klasse song! Und dann, nach etwa einer Stunde, war schon Pause.

Nach ca. einer Viertelstunde kamen sie wieder und Joolz gelobte Besserung: man hätte ihr in der Pause gesagt, dass sie Rev gar nicht anständig mit seltsamen Menschen verglichen habe, das werde sie jetzt nachholen: The Amy Whinehouse of Folk-Music - Reeeev Hammer! Er hatte Amy am Anfang mal erwähnt (Amy Whinehouse in a pocket), naja, er war schon David Hasselhoff, er war schon Kylie Minogue, er hat's eigentlich alles gut verpackt und meist mit Fassung getragen ;-).

Rev jedenfalls leitete ein mit den Soldaten, die in England, aber auch in Deutschland aus Kriegsgebieten zurückkehren und sich dann plötzlich wieder in Friedenszeiten und "normalen" Lebensabläufe einfügen müssen ohne dafür Hilfe zu bekommen. Der nächste Song sei für diese Soldaten. Erstaunlich ernst für Rev und der Song hat mir auch ausgesprochen gut gefallen (auch wenn ich wieder nicht weiss, wie er denn nun heißt): hiding under kitchen tables, shadows on the kitchen floor (Alabaster?). Danach ein kurzer Witz über Grandpa Hammer und ein weiterer Song, der mir gut gefallen hat: No one and nothing. Dann wiederum kam die Fortsetzung der Farmer-in-Devon Geschichte, diesmal mit dem Nachbarn des Farmers von oben, einer weiteren schwarzen Limousine, George Bush, einer Massenvernichtungswaffe sowie einer Ente. Auch nicht schlecht ;-). Zum Schluss ein song nicht von ihm, aber passend für die heutigen Zeiten, in denen durch die Finanzkrise sicherlich der eine oder andere seinen Job verloren hat: Goldwatch blues, eigentlich von Donovan Leitch. Ein Story-Lied, passte gut zu Rev, der übrigens hier wieder von Brett Selby unterstützt wurde.

Joolz war dran. Sie erkundigte sich nach dem Wohlbefinden insbesondere der Neuzugänge und philosophierte ein wenig rum über durchgeplante und gestylte Gigs, bei denen man vorher genau jede Bewegung der Scheinwerfer, der Backgroundsänger kennt und bei der es am Ende sicher auch ein Feuerwerk gibt - und eben RSC-Gigs, immer anders, anteilig ungeplant und auf jeden Fall ein Erlebnis! Außerdem lästerte sie noch ein bisschen weiter über das Tourmanagement und den Obermanager, der früher Hühner dressiert hat (das kann ich n ur falsch verstanden haben... ;-)). Und sie lästerte über die freundlichen und mitleidigen Deutschen: "oh Silke, schau mal ein Plakat von Red Sky Coven! Da müssen wir hin, da geht ja sonst keiner hin und das geht doch nicht, dann sind sie nachher noch enttäuscht.. ;-)))." Silke scheint übrigens ein bei Joolz beliebter Name für deutsche Mädels zu sein, die Deutsche bei Stone Baby hat auch schon diesen Namen geerbt. Danach ging es weiter mit Geschichten über Dope und was das Drehen besonders langer Joints so über Männer aussagt... im Anschluss dann die Geschichte dieses tollen Typen damals auf der Schule und ihrer ersten Begegnung mit Dope auf seinem Sofa...;-). Dann scheuchte sie Justin auf die Bühne, die erste Geschichte: Saddleworth. Danach überlegten sie alle gemeinsam, mit welchem deutschen Menschenschlag man wohl die Waliser vergleichen könne, sie kamen aber nur darauf, dass sie dunkel, merkwürdig seien und die Frauen irgendwie alles Hexen - Joolz schloss direkt an, dass sie ja bei ihrer walisischen Großmutter aufgewachsen sei... flöt ;-). Story mit Justin am Keyboard: The spirit house. Tja und dann übergab sie einfach an Justin, der sich aber grade gesetzt hatte und an seiner Tasse nuckelte... tja, arbeiten! ;-).

Justin nun also beschloss, dann doch mal ein wenig zu reden. Er erzählte von Revs Musik-Projekt Freeborn John, in dem er selbst einen Sodaten der New Model Army (was sonst?) spielt und für das er auch das ein oder andere schnellere Lied geschrieben habe, weil Rev ihn darum gebeten hat. Zum Beispiel dieses: Rumour and Rapture, super. Danach das, was er wie ich glaube auch schon in Köln auf dem Army-Konzert gespielt hat, dessen Titel ich aber leider grade nicht weiss: Everything is beautiful, sehr schön. Und so ging es auch weiter. Als nächstes spielte er zusammen mit Brett eines seiner Liebeslieder, in dem auch noch der Ozean vorkommt und das bestimmt schon zwanzig Jahre alt ist, es aber (außer auf die B-Sides) nie auf eine Platte geschafft hat: Ballad 2, irre, glaube nicht, dass ich das schon mal live gehört habe, zumindest nicht in letzter Zeit! "Carry these words over the ocean, carry these words over the sea..." Tja und auch er nahm Bezug auf das heutige Wirtschaftschaos und spielte, wieder unterstützt durch Brett, einen der ganz alten Songs, einen meiner Lieblinge, ebenfalls von der B-Sides: Modern Times, sehr sehr schön. Zum Schluss noch eines von der neuen CD High, über einen Freund, dem es mal richtig mies ging und der sich umbringen wollte und sich doch in letzter Minute anders entschieden hat und dem es jetzt richtig gut geht: Dawn.

Doch, insgesamt muss ich sagen, dass mir die zweite Hälfte bei allen Beteiligten fast besser gefallen hat als die erste!

Denn, das war's schon. Es gab nach einigem Gejohle noch eine Zugabe, nämlich - zur Erläuterung - eine Verhunzung eines bekannten "Lieblingslieds". Diesmal war's Umbrella von Rhianna, sehr witzig, Rev mit Schirm, Joolz im Arm mit Glitzersternchen auf der Bühne und einem entspannt trällernden Justin ;-) Under my umbrella, ella, ella..

Leider war's das dann um kurz vor 23.00 h. Das heißt, es waren nur etwa 1,1/2 h. Vieeeel zu kurz. Ok, es war ja auch lange Pause und sie müssen erstmal wieder reinkommen - aber trotzdem haben sie in der Vergangenheit entschieden mehr erzählt und rumgeflachst. Andererseits aber nach der Sache mit dem NMA-Manager auch verständlich. Mich hat eher erstaunt und gefreut, dass sie überhaupt gekommen sind und die Tour nicht einfach abgesagt haben. Daher ist das mit den 1,5 h wohl unter den gegebenen Umständen mehr als ok.

Anbei noch einige Bilder vom Gig, wie gesagt, das Licht war gruselig, daher leider etwas verschwommen.

Bis bald, vielleicht in Bonn?

PS: es gibt eine neue CD, Nr. 5, gewidmet Tommy Tee. Kann einer sagen, wo Nr. 4 ist?

(c) bat 01/09

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Red Sky Coven, Harmonie, Bonn, 25.01.2009

Heute waren es dann genau fünf Jahre. Darum und weil es am Dienstag so schön aber doch auch irgendwie zu kurz war, gab es heute nochmal Red Sky Coven, diesmal in Bonn. Die Harmonie ist ein richtig netter Club, sehr viel hübscher als das Zakk, mit terrakottafarbenen Wänden, an denen Konzertfotos en masse hängen, kleinen Bistrotischen, einer Empore gegenüber der Bühne, Kellnern, die Getränke bringen.. sehr hübsch. Allerdings waren die Tischen - auch wenn wir das Glück hatten, direkt vorn einen zu ergattern, so dass die Bühne vielleicht noch einen Meter von uns weg war - war es grundsätzlich für die mindestens 200, wenn nicht mehr Leute, die Red Sky Coven sehen wollten, doch eher eng, was die Sitzplätze anging. Viele mussten im Hintergrund stehen, aber so richtig was ausgemacht hat es ihnen glaub ich nicht.

Es ging los wie gehabt, Punkt 20:00 h. Joolz fand diesmal genügend Leute, die noch nicht da waren, kürzte die Einleitung in Summe aber ab. Dann eine sehr süße Lobhudelei auf Rev, der schon verzweifeld den Kopf in den Armen versteckte, aber irgendwie würde ihm ja doch was fehlen, wenn sie das alles einfach so weglassen würde ;-). Er war recht ernst, fand ich. Wieder mit Sakko, diesmal aber mit T-shirt drunter; Joolz, Justin und Brett wie gehabt. Aber man kann mal sehen, wieviel Licht so ausmacht. Hier war eine anständige Beleuchtung, bei der allerdings auch das Publikum im Hellen saß, dennoch waren die grauen Haare, die ich in Düsseldorf bei diesem fürchterlichen rot und pink zu sehen geglaubt hatte und auch die ungesunde Gesichtsfarbe wie weggeblasen, alles war wieder gut ;-). Sieht man unten auch an den Fotos. Rev jedenfalls, recht ernst, wie ich fand, startete mit einem song aus dem Freeborn-John-Album (eigentlich für zwei Frauen geschrieben, naja): Every woman's pain (?). Weiter mit Alabaster (so zumindest fing der Song an, hat er auch in Düsseldorf gespielt... "everything in time"). Dann ein Farmer-Witz, aber siehe da, der mit George Bush. Und wie Joolz angekündigt hat: er war schon etwas länger als noch am Dienstag ;-). Danach hat er noch Brett, den Mann mit dem schönsten Backenbart überhaupt, auf die Bühne gebeten und hat mit Punchdrunk seinen ersten Teil abgeschlossen. Übergabe an Joolz.

Sie startete diesmal damit, dass es ja doch nett sei, dass sooo viele gekommen seien. Sie hätten schon gedacht, dass nur ein einziges deutsches Pärchen sich überhaupt erinnern könne, nachdem sie ein Plakat gesehen haben: Silke (wer sonst?) und Ralf mit Hund Ingo ;-)). Silke hat also Zuwachs bekommen, die Dinge sind im Fluss - und Joolz' Englisch mit deutschem Akzent war wirklich sehr lebensnah... ;-). Danach wie schon am Dienstag Here's old Death mit Justin und Brett als Unterstützung (something between poetry and song). Sie erzählte dann, dass ihr Dad eine sehr große Bibliothek hat (wie am Dienstag) und dass sie selber - bei der letzten Zählung - ca. 3.000 Bücher zuhause habe (was Justin durch ein ergebenes Nicken bestätigte ;-) ). Danach wieder die Anmerkungen über Lady Chatterly's Lover und die seltsame Geschichte, die sich damals auch in der Bibliothek ihres Vaters entdeckt hat: The Wolf Girls of Midnapore, unterstützt von Justin. Sie übergab an Justin.

Dieser startete mit Changing of the light, ein wirklich wunderschönes Lied. Und erzählte dann, dass es ja Songs gibt, von denen man nicht mehr so ganz genau weiss, wann man sie eigentlich geschrieben hat und aus welchem Grund. Die aber immer noch irgendwie passen: Someone like Jesus. Sehr geeignet für einen Soloauftritt mit Acoustic-Gitarre. Dann das schon in Düsseldorf (und auch in Köln?) vorgestellte "Bury my heart in the forest", sehr schön. Wer weiss, vielleicht findet es sich ja auf der neuen CD, die irgendwann dieses Jahr erscheinen soll, wieder. Dann hat er erzählt von Tommy, der schon Anfang der 80er als Fahrer zu ihnen stieß, über das Gitarren-Stimmen und Roadie-sein irgendwann zum Tour-Manager wurde, die Band verließ, Mitte der 90er wiederkam und dann alles umgekrempelt hat und sich als Manager um alles, das Label, das Marketing, die Touren und überhaupt gekümmert hat und der ihnen so sehr fehlen würde. Der das touren geliebt hat und daher war das folgende Lied für ihn - wie in Düsseldorf war es Tales of the road: we all want what we cannot have... Justin hat länger erzählt, das Ganze war noch intensiver und hat die anderen und ihn selber ganz schön mitgenommen. Nach Tales of the Road, diesem wunderschönen Lied, das nun immer irgendwie mit Tommy Tee verknüpft sein wird für die, die auf den RSC-Gigs waren, ging es wie in Düsseldorf weiter mit No mirror, no shadow. Wirklich genial als akustisches Stück. Dann war Pause und nach gefühlten 10 Minuten waren sie schon wieder da. Joolz holte wie in Düsseldorf das anständige Vorstellen von Rev als Amy Whinehouse des Folk nach und Rev trauerte den Zeiten nach, in denen er der Ricky Martin oder der Davin Hasselhof des Folk gewesen ist.. ;-). Er startete mit einem song, Merry Day (oder auch rubbish and rain), eher ernst, auch wenn merry day eigentlich das Gegenteil vermuten ließe. Danach ein Song mit Brett, in dem es um die liebe Heimat geht: Ghost of Walachin. Danach die Story mit Grandpa Hammer und den jungen Mädchen, die er auch in Düsseldorf erzählt hat und das geliehene Lied Goldwatch Blues, das er wie schon in Düsseldorf dem Typen gewidmet hat, der vor der First Manhattan Bank stand, in der die verzweifelten Banker sich die Haare rauften und schrie: "jump you fuckers, jump!" Naja.. ;-). Und dann übergab er schon und sparte sich den zweiten black-limousine-Witz, vielleicht, weil ihm nicht danach war, vielleicht, weil Justin schon den ersten mitsprechen konnte... ;-).

Joolz erzählte, dass sie in Köln übernachten und dass sie die Ausgehtipps angeschaut hat, in der auch "brothels" aufgelistet seien - Jungs, tut nicht so, ihr wisst, was brothels sind! Sagte sie, nicht ich ;-). Und was es alles für seltsame Angebote gegeben hätte. Dann führte sie uns ein in ihre Geschichte Saddleworth, benannt nach einer Gegend bei ihr in der Nähe, die eben ein wenig so aussieht wie die Gegend im Film Wuthering Heights (_das_ war der Zusammenhang! ;-) ). Und dass es absolut lächerlich sei, eine nordenglische Hexe wie Cathy mit französischem Akzent sprechen zu lassen, sie würde viel mehr genauso sprechen wie Joolz - aber komischerweise habe sie noch niemand gefragt! Not yet, sagte der nette junge Mann direkt vor ihr und sie engagierte ihn direkt als ihren persönlichen Manager ;-). Sie erzählte nach Saddleworth dann irgendwas über eine Tour mit einer hier nicht näher genannte Band - deren T-Shirts aber doch die Hälfte der Besucher mindestens tragen würde ;-) - und dass sie, weil der Friedhof Père Lachaise geschlossen war und sie nicht zu Jim Morrison konnte, halt mal wieder ihren Dad angerufen hat, um zu fragen wie es ihm geht und der ihr dann irgendwie nebenbei zwischen belanglosen anderen Infos mitgeteilt hat, dass sie ja eine Totgeburt gewesen sei und dass es zwei - mit Whisky angereicherte - Transfusionen ihres Dads gebraucht hatte, um sie endlich ins Leben zu schubsen. Sie war geschockt. Und hat das Ganze sehr bildhaft geschildert, auch wie mittendrin noch das Bett zusammenkrachte und hat felsenfest behauptet, dass das alles auch wirklich wahr sei. Direkt im Anschluss das Ganze nochmal als Story

"Born dead"...

I shouldn't be here.
I shouldn't.
But I am.

Übergabe an Justin. Wirklich ganz ohne Hippies dieses Mal. Hmmm. Dafür hatte sie aber irgendwann vorher, ich glaub es war kurz vor der brothel-Geschichte mit den Fußfetischisten - noch sehr viel Spaß an der Vorstellung von tanzenden Meerschweinchen.. war lustig, kann ich aber definitiv nicht wiedergeben ;-). Aber wie gesagt: ohne Hippies.

Zu Justin.

Er startete und es war wirklich unheimlich: Another Imperial Day komplett ohne Instrumente! Wow. Hatte mir auf einem Army-Konzert, ich glaub es war 2007, schon gedacht, dass das Solo oder als Acoustic-Version sicher sehr genial klingen würde, aber so? Wow! Danach ein Song aus dem vielleicht im Herbst erscheinenden neuen Album, geschrieben letzten Oktober: "Everything is beautiful, because everything is dying" wie in Düsseldorf. Nett. Während Joolz und Brett mitwippten, war Rev dabei tief in Gedanken und völlig woanders. Danach Ballad 2, Modern Times, beides absolut geniale Lieder, viel zu selten gespielt. Beide natürlich begleitet durch Brett Selby. Danach noch - weil die Zeit knapp war ohne Geschichte - Dawn, auch sehr, sehr großartig.

Zum guten Schluss (sie haben von ca. 20:00 h bis 22:20 h gespielt, etwas mehr als 2 h, wie ich schätzen würde) wieder Umbrella. Joolz kommentierte noch: diesmal kein Klassiker, den wir zerstören, sondern einen Song, den ihr vermutlich gar nicht mal mögt, den ihr aber nieee wieder aus dem Kopf bekommen werdet... und prompt hab ich - weil ich ihn ja dienstag schon gehört hatte, und er mir nicht mehr aus dem Kopf ging - Ärger bekommen mit einem Mädel vor mir, die sich, weil wir mitgesungen haben, irgendwie meinte, übergeben zu müssen ;-). Naja, warte ab, bis Du beim nächsten RSC-Gig bist auf dieser Tour, dann wirst auch Du den Refrain mitsingen ;-))).

Hier noch einige Bilder, durch Klick werden sie größer, denn diesmal war das Licht besser und ich kann die Auflösung etwas höher stellen. Einfach auf das Bild klicken.

(c) bat 01/09

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Red Sky Coven, Interview im KODEX

Anmerkung: zum Teil ist dieses Interview sicherlich überholt, was die Aussagen über das RSC-Publikum angeht, auch die Sache mit dem 'uns wird es niemals auf CD geben' ist, wie die letzte Vergangenheit gezeigt hat, überholt. Dennoch finde ich, sollte man das Interview niemandem vorenthalten, vielleicht sind ja auch noch ein paar Sachen dabei, die Ihr noch nicht wußtet. Viel Spaß auf jeden Fall, Anja.

"Always fighting against Yuppies"

Vorwort

Red Sky Coven (der rote Himmelsbund) ist eine einmalige Kombination aus Folk-Music, Lyrik und einer Prise New Model Army-Rock. Nun werden sich viele diese Mixtur anders vorstellen, als sie eigentlich ist. So konfus, wie das Programm scheint, ist eigentlich nur das Publikum. Das Publikum besteht (leider) zum größten Teil aus verirrten New Model Army-Fans, die Justin Sullivan statt aus einer der letzten Stadionreihen endlich mal aus der Nähe sehen wollen, die aber meist nach kurzer Zeit wieder gehen, da es anscheinen nicht genug "fetzt". Manchmal finden sich aber wohl auch Leute im Publikum, die anstelle fixer NMA-Erwartungen gesunde Neugier mit ins Konzert bringen und dadurch mehr Offenheit an den Tag legen, oder auch Leute, denen das Programm von Red Sky Coven vertrauter ist und die sich daher mehr für die Literatur interessieren, die in den Texten von Joolz (manchen vielleicht ein Begriff durch ihre Prosa- und Gedichtbücher) steckt.

Ohne Vorbilder, inspiriert von Naturreligionen, den seltsamen und faszinierenden Steingebilden in bestimmten Gebieten Englands, fanden sich die drei Freunde 1987 zusammen. Eine Idee, etwas ganz anderes zu machen, die Verbindung von Musik und Dichtung (eine Idee, die auch Anne Clark noch immer versucht zu realisieren), die Distanz zum Publikum zu verlieren, Kontakt zu halten, immer weiterdenkend am (Erd)Ball zu bleiben. Eine große Herausforderung, der nicht jeder Künstler gewachsen ist, die aber Joolz mit ihren Geschichten und Gedichten, Rev Hammer mit seinen Folk-Songs und Justin Sullivan mit seinen balladesken Polit-Songs ganz im Stil von energischer Stimme und Akkustikgitarre gehalten, oft gradios zu meistern wissen.

Ein Red Sky Coven Konzert (sofern man überhaupt von einem Konzert reden kann) läuft nicht nach einem bestimmten Schema ab. Sicherlich ist auch bei Red Sky Coven ein gewisses Grund-Konzept vorhanden, an sich läuft die Show aber völlig offen für Reaktionen aus dem Publikum ab, so daß sich jedes Konzert von Mal zu Mal in sich verändern kann. So können Zwischenrufe aus dem Publikum oder überhaupt das Verhalten des Publikums in die Thematik eingehen und dadurch den ganzen weiteren Werdegang des Konzerts neu beeinflussen, ja vielleicht sogar steuern. Allerdings kann man des öfteren sehen, daß das Publikum nicht ausreichend Courage besitzt, in das Ereignis einzugreifen. Oft kann man beobachten, wie einzelne Personen mit sich ringen, etwas zu sagen, ja sogar vielleicht nicht wissen, daß die Reaktion erwünscht, erbeten ist. Es ist leicht zu erkennen, daß ein jedes Konzert für sich einmalig bleibt.

KODEX: Wie fandet ihr das Konzert? War es heute für euch das gesuchte, "perfekte" Konzert?

Joolz: Es war sehr seltsam, aber o.k.

KODEX: Warum?

Joolz: So extrem ist es nur hier, doch es hat Spaß gemacht. Die meisten Leute sind doch sehr überrascht, daß wir mehr reden als singen oder spielen. KODEX: Viele Leute kommen doch sicher nur, weil sie hören: "Justin Sullivan" und denken " oh fein, New Model Army". Die meisten wissen sicher nicht, daß eure Auftritte aus Geschichten und Dichtungen bestehen!?

Justin: Ja, das stimmt. Ganz am Anfang bei unseren ersten Auftritten war es sogar so extrem, daß die Hälfte des Publiums nach der Pause gegangen ist, weil sie NMA sehen wollten und mit Red Sky Coven nichts anfangen konnten.

KODEX: Es ist nun eure dritte Tour durch Deutschland. Stellt ihr mittlerweile andere Erwartungen an das Publikum und euch selber?

Joolz:Ja, bei der ersten Tour waren wir äußerst nervös. Wir wußten nicht, wie das Publikum reagieren würde. Ein anderes Land, die Sprach- und Verständnisschwierigkeiten usw. Es war ziemlich chaotisch. Bei der zweiten Tour war es uns egal. Ich schätze, unsere jetzige Tour ist die beste Einheit, die man mit einem Programm dieser Art bieten kann.

Justin:Ja genau, wir wissen jetzt, was wir tun müssen, damit uns die Deutschen besser verstehen und somit wird es so locker wie bei uns in England.

KODEX:Was macht ihr in Deutschland anders als in England?

Joolz:Vor allem wegen der Sprachschwierigkeiten versuchen wir, so gut wie keinen Dialekt zu sprechen.

KODEX:Wie empfindet ihr die Reaktionen vom Publikum?

Joolz:Ich denke, wir werden besser verstanden als wir anfangs dachten. Die Leute lachen über unsere Witze...

KODEX:In welchen Ländern tretet ihr noch auf und wo nicht?

Joolz:In den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, eigentlich in allen europäischen Ländern, in denen Englisch in der Schule unterrichtet wird. Nur in Frankreich geben wir keine Konzerte. Nicht, weil die Franzosen uns nicht verstehen würden, sondern weil sie uns nicht verstehen wollen.

KODEX:Habt ihr einen festen Programmablauf oder laßt ihr euch vom Publikum und dessen Reaktionen beeinflussen?

Justin: Wir wissen nie genau, wie ein Auftritt verlaufen wird. Wir haben natürlich einige Gedichte, Geschichten und Lieder fest im Programm, aber wenn eine Reaktion im Publikum ist, und Dir fällt etwas Gutes ein, nimmst Du sie natürlich auf und gehst darauf ein ein. Somit ist jeder Auftritt etwas Einzigartiges und auch für uns von großem Interesse.

KODEX: Was wollt ihr für euch erreichen?

Justin: Unser Ziel ist ein " perfektes Konzert"

KODEX: was bedeutet für euch ein perfektes Konzert, hattet ihr schon ein solches?

Justin: Nein, wir wollen es im Grunde auch nicht erreichen.

Joolz: Ich denke, daß es auch unmöglich ist, und das ist gut so. Es reichen schon 5 gute Minuten. Wenn ich es schaffe, mit meinen Gedichten und Geschichten 10 Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, ganz besonders Männer, über irgendetwas, über das sie noch nie nachgedacht haben, dann ist das für mich ein gutes Gefühl, dann ist das ein Erfolg.

KODEX: Besteht inhaltlich zwischen euren Gedichten, Texten und Gedichten ein Zusammenhang?

Joolz: Nein, das wäre auch nicht gut. Wir wollen gerade diesen Unterschied verdeutlichen. Es wäre langweilig und sogar bedrückend, den ganzen Abend nur kritische Texte zu hören. Das Leben ist oft schön und lustig. Man kann oft an einem Tag Glück und Leid erfahren...

KODEX Steht hinter eurem Projekt eine direkte Idee?

Justin: Wir wollen so eine Art von wanderndem Folk-Club sein. Es ist eine Tradition, die wir weiterleben lassen wollen.

Joolz: Ja, wir haben etwas ähnliches wie Red Sky Coven gesucht, aber nie finden können. wir sind in verschiedene Clubs gegangen, doch nichts! Es gehört auch viel Courage dazu, den ganzen Abend auf der Bühne zu sitzen. Denn wir sind ja keine gewöhnlichen Pop-Stars, die auf die Bühne kommen und hallo sagen und ihr Set runterspielen. Wir sitzen die ganze Zeit da und werden beobachtet. Ich habe euch beobachtet, wie ihr uns beobachtet habt...

Justin: Ja, ihr habt die ganze Zeit Joolz' Ringe angeschaut (alles lacht).

KODEX: Eure Show hat sehr lange gedauert, ungefähr 2 1/2 Stunden. Ist das nicht sehr anstrengend?

Joolz: Oh, ja, um das durchzuhalten, halte ich mich auch ein bißchen fit. Ich trainiere mit Hanteln vor dem Auftritt, dadurch baue ich Nervosität und Aggressionen ab. Beides kostet einfach zu viel Energie, die ich für den Auftritt brauche. Justin macht das nicht, er weiß nur drei Dinge (ironisch):" Have another Whiskey".

KODEX: Wollt ihr eine bestimmte Art von Publikum ansprechen, ein intellektuelles vielleicht?

Joolz: Das Publikum ist eigentlich sehr gemischt. Gefallen hat es bis jetzt den meisten. Daß wir ein bestimmtes Publikum ansprechen wollen, kann man nicht sagen.

KODEX: Wollt ihr mit eurer Tour etwas Bestimmtes übermitteln, könntet ihr sie unter ein Motto setzen?

Justin: Sicherlich. "Always fighting against Yuppies." Ja, sie sind es wert, gegen sie zu kämpfen!

Nachwort

Red Sky Coven gibt es nicht auf Platte oder CD, es wäre auch denkbar unmöglich, eine solche zu produzieren. Der ganze Witz, das ganze Konzept, wodurch dieses Projekt erst zum Leben erweckt wird, wäre somit dahingeschmolzen, eingepreßt worden. Nicht nur dadurch wird verständlich, daß auf dem Schwarzmarkt viele Mitschnitte dieses Projektes kursieren. Eine weitere Alternative bieten die einzelnen Projekte der Künstler. Das sind zum einen sämltiche New Model Army Platten (...), hinzu kommen die Platten von Rev Hammer (Intercord und Rough Trade). Joolz hat zwei Platten mit gesprochene Gedichten und Prosatexten mit sparsamer, experimenteller Instrumentierung bei Intercord (IRS) veröffentlicht, die man sich auf jeden Fall besorgen sollte. Die Bücher von Joolz sind etwas schwerer zu beziehen, allerdings lohnt es sich, eine einigermaßen engagierte Buchhandlung aufzusuchen. Die Bücher sind bis jetzt nicht übersetzt und deshalb nur im Original über Import-Großhändler zu beziehen.

Interview: Katjuscha Bicker und Nicole
Vor- und Nachwort: George Lindt, die hoffentlich nichts dagegen haben, daß ich das Interview abgetippt habe.


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